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Leo in Seenot

Stillstand unter Wasser

Der Kampfpanzer Leopard 2A6 kann nach entsprechender Vorbereitung auch tiefe Gewässer durchfahren. Aber was ist zu tun, wenn es unter Wasser plötzlich heißt: „Wassereinbruch, Motor aus!“ ?


Bereit für die Unterwasserfahrt

Bereit für die Unterwasserfahrt

Foto: Bundeswehr/Vennemann

Es geht los

„Panzer marsch“, ertönt das kurze Kommando des Panzerkommandanten in den Kopfhörern des Kraftfahrers. Der schwere Kampfpanzer setzt sich in Bewegung, verlässt die Deckung und nähert sich mit brummendem Triebwerk dem vorher von Pionieren erkundeten Gewässer. Alle Luken sind verschlossen, Mündung der Kanone und Periskop mit Tauchkappen abgedeckt. Auf der Kommandantenluke ist der dreiteilige Unterwasserfahrschacht montiert. In dessen oberen Ende in nun rund fünf Metern Höhe steht der Panzerkommandant, Blick auf das vor ihm liegende Gelände.




Gute Übungsbedingungen

Wurfleinen hängen herunter, die zu den am Panzerheck befestigten Abschleppseilen führen. „Wir simulieren jetzt den Ausfall eines Kampfpanzers während der Unterwasserfahrt aufgrund starken Wassereinbruchs und bergen den Panzer“, erklärt Hauptfeldwebel Steffen Kalitschke die Lage. „Im Gegensatz zum normalen Ausbildungsbetrieb haben wir hier während der Übung die Gelegenheit, diese recht aufwändige Bergesimulation mehrmals durchzuführen“, so der Panzerzugführer. Denn an der Übergangsstelle muss auch Rettungs- und Bergepersonal mit entsprechender Ausrüstung bereitstehen. 


Kurz vor dem Ausfall

Kurz vor dem Ausfall

Foto: Bundeswehr/Vennemann

Ausfall unter Wasser

Die Panzerbesatzung ist bis auf den Kommandanten „unter Luke“. Hochkonzentriert bewegt der Kraftfahrer den 60 Tonnen schweren Panzer. Für den Blick nach draußen stehen ihm jetzt nur noch die Winkelspiegel zur Verfügung. Die Sicht schwindet, die Winkelspiegel tauchen in grünbraunes Wasser. Der Fahrer ist jetzt blind und muss sich auf die Anweisungen des Kommandanten oben im Unterwasserfahrschacht verlassen. Meter für Meter taucht der Leopard nun mit eingeschalteter Tauchhydraulik in das Wasser ein, bis nur noch der Unterwasserfahrschacht zu sehen ist. Die Tauchhydraulik schließt alle Be- und Entlüftungen am Motor und öffnet eine Brennluftklappe am Motorschott im Innern des Panzers. Über diese saugt das mächtige Triebwerk nun die benötigte Verbrennungsluft an. 18 Kubikmeter Luft strömen jetzt pro Sekunde durch den Unterwasserfahrschacht in die Verbrennungskammern des Motors. Mit gleichbleibender Motordrehzahl                                                                                                                     und in Schrittgeschwindigkeit fährt der Leopard nun unter Wasser.
                                                                                                                    Plötzlich Stillstand. Starker Wassereinbruch, nichts geht mehr. 

Panzerbesatzung: aus dem Panzer ins sichere Bergeboot

Panzerbesatzung: aus dem Panzer ins sichere Bergeboot

Foto: Bundeswehr/Vennemann

Ausstieg mit Tauchretter und Schwimmkragen

„Für die Besatzung unten im Panzer ist das jetzt natürlich eine heikle Situation“, sagt Kalitschke. „Ist der Wassereinbruch zu stark, kommt die Besatzung gegen den Druck des einströmenden Wassers nicht mehr an und muss warten, bis der Panzer vollgelaufen ist“, erklärt er. Für die mit Schwimmkrägen ausgerüstete Besatzung heißt das „Ruhe bewahren“, meint er abschließend. Tauchretter sorgen für Sicherheit bei der Übung. Der Tauchretter ist ein Atemschutzgerät, das seinem Träger ermöglicht, eine gewisse Zeit in einer Umgebung ohne (ausreichend) atembare Luft, insbesondere im Wasser, zu überleben. Über den Unterwasserfahrschacht verlässt die Besatzung des ausgefallenen Kampfpanzers das Fahrzeug und steigt in das mittlerweile eingetroffene Bergeboot. Die Besatzung ist in Sicherheit, jetzt gilt es, den Ausfallpanzer wieder ins Trockene zu bringen.


Gleich kommt die "Rettung"

Gleich kommt die "Rettung"

Foto: Bundeswehr/Vennemann

Das Bergegespann bringt sich in Stellung

Nicht nur im Wasser herrscht reges Treiben. Während sich das Bergeboot am Ausfallpanzer positioniert hat und der Kommandant mittels der am Unterwasserfahrschacht befestigten Wurfleinen die Abschleppseile seines Panzers zum Boot zieht, ist am Ufer schweres Gerät aufgefahren. Ein weiterer Kampfpanzer Leopard, der als Bergehilfspanzer eingesetzt wird, und ein Bergepanzer Büffel stehen nun bereit. Sie bilden das Bergegespann. Der nun als Bergehilfspanzer eingesetzte Leopard ist ebenfalls zur Unterwasserfahrt vorbereitet. Die Abschleppseile sind vorne befestigt, hinten dagegen wird das Hauptwindenseil des Bergepanzers eingekuppelt. 



Fast geschafft: Bergegespann zieht den ausgefallenen Kampfpanzer aus dem Wasser

Fast geschafft: Bergegespann zieht den ausgefallenen Kampfpanzer aus dem Wasser

Foto: Bundeswehr/Vennemann

Bergung erfolgreich

Aufgestützt auf seine Räumschaufel sichert der Bergepanzer den nun langsam ins Wasser fahrenden Kampfpanzer. „Der Bergehilfspanzer fährt jetzt bis auf eine Fahrzeuglänge an den Ausfallpanzer heran“, erklärt Hauptfeldwebel Kalitschke das Verfahren. „Das Bergeboot positioniert sich dann genau zwischen den beiden Panzern, damit die Schleppverbindung hergestellt werden kann“, fügt er hinzu. Die Abschleppseile der beiden Panzer werden im Bergeboot in einem Plattenschäkel befestigt. Die Verbindung steht. Die Seile werden ins Wasser gelassen, das Bergeboot entfernt sich. Langsam setzt sich der Bergehilfspanzer in Bewegung, spannt vorsichtig die Schleppverbindung. Dann geht es in Rückwärtsfahrt zurück ans Ufer. Nach wenigen Minuten ist die Bergung des Ausfallpanzers erfolgreich abgeschlossen.