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Kein Höhenflug ohne Ausbildung

Bald ist es für Björn Aust aus Kiel soweit: Der erste Flug steht für den 23-jährigen Flugschüler an. Nach etlichen Stunden im Simulator wird er zum ersten Mal in das Cockpit eines Hubschraubers steigen und richtig fliegen. Ein Traum erfüllt sich und führt ihn einen Schritt weiter in Richtung seines Berufsziels: Hubschrauberpilot bei der Bundeswehr.

Der Ausbilder und die angehenden Piloten besprechen sich vor dem Start

Der Ausbilder und die angehenden Piloten besprechen sich vor dem Start

Foto: © Bundeswehr

Diese Phase haben vor ihm schon etliche Piloten im Internationalen Hubschrauberausbildungszentrum durchlaufen. Das Konzept mit konventionellem und computergestütztem Unterricht, plus Simulatorzentrum und die praktische fliegerische Ausbildung bis zur Einsatzreife genießt international große Anerkennung: Bereits zwölf Nationen schicken ihre zukünftigen Piloten nach Bückeburg, darunter Schweden, Frankreich, Niederlande, Belgien, Spanien, die Schweiz und Österreich. Jedes Jahr bildet das Zentrum 250 Soldaten und zivile Personen für die Pilotenlaufbahn aus. Im vergangenen Jahr nutzten auch mehr als 240 Trainingsteilnehmer anderer Organisationen, wie die Bundespolizei, das Ausbildungszentrum in Bückeburg.

 

Der Schulungshelikopter beim Start

Der Schulungshelikopter beim Start

Foto: © Bundeswehr

Im größten Simulatorzentrum für Helikopter in Europa mit insgesamt 14 vollbeweglichen Kabinen herrscht ständig Betrieb. Leiter und Fluglehrer Christoph Hegele erklärt: „Je moderner die Waffensysteme werden, desto umfangreicher wird das Training für die Besatzungen. Die Simulatoren sind effektiv und verkürzen so die Ausbildungsdauer erheblich – das spart Zeit, Kosten und schont die Umwelt.“ Geboten werden Hubschraubergrundausbildung, verschiedene Hubschraubertyp-Ausbildungen sowie Instrumenten- und Nachtflug. „Jeder Simulator kann innerhalb weniger Stunden maßgeschneidert auf einen anderen Hubschraubertypen umgerüstet werden“, beschreibt Christoph Hegele die Flexibilität.

 

Im Simulator wird jeder einzelne Schritt geübt

Im Simulator wird jeder einzelne Schritt geübt

Foto: © Bundeswehr

Zu jedem Simulator gehört eine Lehrkonsole. Alle Lehrinhalte sind dort auf Knopfdruck abrufbar. Flugspezifische Begebenheiten werden von hier eingespielt: Notsituationen, Tag/Nacht und alle denkbaren Wetterkapriolen. Fluglehrer Kai Lückert hat Björn Aust auf alles vorbereitet, damit der erste echte Flug problemlos klappt. Der Job erfüllt ihm gleich zwei seiner Wünsche: „Ich wollte am liebsten Hubschrauber fliegen und am besten ohne Umwege, also auch ohne Studium.“ Die “vorfliegerische Ausbildung“ in Bückeburg mit Luftrecht, Technik und Englisch waren für ihn keine große Hürde, sind aber Voraussetzung für die Hubschraubergrundausbildung. „In der Simulatorphase lernen wir, wie die Grundlagen funktionieren, zum Beispiel das Koordinieren von Fluggeschwindigkeit und -höhe. Dann fliegen wir die erste Runde“, erinnert er sich. „Klingt alles easy, ist es aber nicht, denn es sind ständig alle Sinne gefordert, und wir sind voll ausgelastet. Zum Beispiel Funken und Fliegen gleichzeitig – das braucht einfach Praxis, und dann klappt es auch“.

 

Übungsflug im Gebirge

Übungsflug im Gebirge

Foto: © Bundeswehr

Um den Flugschülern nach der Simulator-Einheit genau zu zeigen, wo er gute oder weniger gute Entscheidungen getroffen hat, schauen sich Lehrer und Schüler die aufgezeichneten Flüge oder einzelne Phasen anschließend gemeinsam an. Die Ausbildung ist straff, aber abwechslungsreich: vormittags Unterricht im Klassenraum, nachmittags Fliegen oder umgekehrt. Etwa ein Jahr dauert es, wenn alles glatt läuft. Von den etwa 200 Flugstunden findet die Hälfte im Simulator statt. Die Bückeburger Flugschüler fühlen sich gut vorbereitet. Wie Björn Aust und seine Kameraden: „Zum ersten Mal draußen richtig fliegen, später dann auch mal weiter weg auf fremde Plätze und die Gebirgsflugeinweisung!“

Autor: Anja Wagner