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Uboot-Rettung

Die Boot-Sektion unter dem Tauchtopf mit Lehrgangsteilnehmern.

Uboot Rettungslehrgang in Neustadt/Holstein

Im Auftrag für die Sicherheit der Uboot Fahrer.

Ein Blick in den leeren Tauchtopf.

Ein Blick in den leeren Tauchtopf.

Foto: © Bundeswehr/ Henze

Den Neustädter Tauchtopf kennt jeder in der Deutschen Marine, der zur Besatzung eines Ubootes gehört oder aus dienstlichen Gründen auf Ubooten mitfährt. So wie beispielsweise Barbara Pellkofer. Die 40 Jahre alte Ingenieurin der Wehrtechnischen Dienststelle 71 gehört zur Abnahmekommission für die Waffen- und Führungsmittelanlagen der Uboote der Klasse 212A, und muss daher regelmäßig „auf Tiefe gehen“. Und das darf die Beamtin nur, wenn sie alle drei Jahre den Uboot-Rettungslehrgang besucht. Besatzungsmitglieder der Uboote müssen den Lehrgang sogar im Jahresabstand wiederholen, drei Tage dauert der „Wiederholer“ jeweils, Sonaroffizier Sven Karwelies (37) absolviert ihn bereits zum zwölften Mal, ist also schon ein ganz alter Hase.
Obermaat Philipp Engels (23) ist hingegen noch ein ziemlich junger Uboot-Fahrer und nimmt dieser Tage an seinem ersten Wiederholungslehrgang teil. Der junge Sonarunteroffizier war erst im letzten Jahr auf dem Grundlehrgang, der fünf Tage dauert. Philipp Engels ist begeistert von der Ausbildung. „Man wird langsam an Wasser in der Übungshalle und im Tauchtopf gewöhnt und Sicherheit wird sowieso großgeschrieben.“ Und Letzteres ist allemal richtig, es gibt wohl kaum in einem anderen Ausbildungsgang eine höhere Betreuerdichte. Bei dem Aufstiegslehrgang aus 32,5 Metern Wassertiefe sind alleine neun Sicherheitstaucher im „Topf“. Aber dazu später.


Das obere Ende des Tauchtopfs.

Das obere Ende des Tauchtopfs.

Foto: © Bundeswehr / Henze

Der Tauchtopf ist baulich eine echte Herausforderung . Der Kontrollstand ist im achten Stockwerk, also an der Wasseroberfläche. Eine Tauchglocke für die Sicherheitstaucher kann von Null bis auf 30 Meter Wassertiefe abgesenkt werden. Bei 10 und 20 Meter Wassertiefe sind zusätzliche Schleusen eingebaut, über die Sicherheitstaucher zusätzlich einsteigen können. Und unterhalb des Topfs, der hat übrigens sieben Meter Durchmesser, ist eine komplette Uboot-Sektion eingebaut, aus der Lehrgangsteilnehmer aus 32,5 Meter Tiefe in das Becken eingeschleust werden. Dieser Lehrgang  wird von den Ubootfahrern  gerne besucht, denn "er dient der Sicherheit", wie Ausbilder Stabsbootsmann Markus Heidenreich (48) sagt.
 

Autor: Wolfgang Henze

Foto-Story

Aufstieg aus 32,5 Metern Tiefe

Sicherheitstaucher an der Wasseroberfläche warten auf den Übungsteilnehmer.

Sicherheitstaucher an der Wasseroberfläche warten auf den Übungsteilnehmer.

Foto: © Bundeswehr/ Henze

Nach einem theoretischen und praktischen Vorlauf in der Wasserübungshalle besteht der erste Ausbildungstag im Tauchtopf für die Lehrgangsteilnehmer aus einem Leitertest und einem Rundgang unter Wasser bei 2,4 Metern Tiefe. Dabei müssen sich die Teilnehmer immer wieder mit einer Atemmaske in eine Ringleitung einstöpseln, aus der sie mit Atemluft versorgt werden. Diese Ringleitung ist natürlich auch in den Einsatz-Ubooten vorhanden, so dass sich im Notfall die Besatzungsmitglieder dort mit Atemluft versorgen können und so zu den beiden Notausstiegen, dem Turm- oder dem Akku-Luk, gelangen können. Die Ausbildungsstation liegt dann schon in sechs Metern Wassertiefe. Am dritten Tag wird schließlich auf zehn Meter erhöht. Das ist schon ordentlich tief und für viele Lehrgangsteilnehmer durchaus eine Herausforderung, „zumal von denen manche vor dem Uboot-Rettungs-Grundlehrgang noch nie den Kopf unter Wasser hatten“, wie Einsatzleiter Hauptbootsmann Hardy Wittwer erklärt. Das Bestehen dieser Rettungsausbildung ist für eine Karriere als Uboot-Fahrer eine zwingende Anforderung. „Aber“, so erklärt Hauptbootsmann Wittwer weiter, „wenn man die physischen und psychischen Voraussetzungen erfüllt, dann kriegt man das auch hin.“
Sozusagen die hohe Schule der Uboot-Rettungsausbildung ist der Aufstieg aus der Uboot-Sektion in 32,5 Meter Wassertiefe. Dieser Lehrgang dauert ebenfalls drei Tage.

Sicherheitstaucher sichern den Uboot-Ausstieg in 30 m Tiefe ab.

Sicherheitstaucher sichern den Uboot-Ausstieg in 30 m Tiefe ab.

Foto: © Bundeswehr/ Henze

Bei diesem Training steigt ein Ausbilder mit den Lehrgangsteilnehmern in eine Uboot-Sektion unterhalb des Tauchtopfes. Die Lehrgangsteilnehmer tragen dabei den Spes Solandri-Rettungsanzug, der einiges an Sicherheitseinrichtungen hat. Er bietet Schutz vor Kälte, ist wasserdicht, hat eine eingebaute Rettungsweste und weitere Rettungsmerkmale.
In der Sektion wird dann der Druck über Minuten  soweit erhöht, bis er der Wassertiefe von mehr als 30 Metern entspricht. In einer Luftblase können die Lehrgansteilnehmer weiter atmen und werden Mann für Mann oder Frau für Frau durch das „Ausstiegsluk“ in den Tauchtopf entlassen.



Die Lehrgangsteilnehmer des 30m-Aufstiegs werden im Anschluss neurologisch untersucht.

Die Lehrgangsteilnehmer des 30m-Aufstiegs werden im Anschluss neurologisch untersucht.

Foto: © Bundeswehr/ Henze

Und von dessen Grund geht es dann unter dichter Begleitung von Sicherheitstauchern hoch an die Wasseroberfläche. Nach dem „Ausstieg“ und Ausziehen des Rettungsanzugs wird sofort eine neurologische Untersuchung durch einen Taucherarzt durchgeführt. Bislang kam es noch nie zu schweren Zwischenfällen, erfreulicherweise wurden daher beide Sicherheits-Druckkammern ganz selten benötigt. Und das ist auch gut so.
Mit der Uboot-Rettungsausbildung und dem Tauchtopf in Neustadt/Holstein hat die Deutsche Marine eine nachgefragte Ausbildungseinrichtung geschaffen, die inzwischen von Uboot-Besatzungen befreundeter Nationen weltweit genutzt wird. Die Auslastung ist hoch. Rund 250 Uboot-Frauen und Männer werden dort jährlich trainiert, denn Sicherheit steht ganz oben.

Autor: Wolfgang Henze