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Luftwaffensicherung

Die Granatmaschinenwaffe muss von einem darunter liegenden Soldaten fixiert werden, weil sie im Gebäude nicht mit Erdankern gesichert werden kann
Beim „tape drill“ üben die Objektschützer, wie sie einen Raum blitzschnell betreten und einnehmen

Beim „tape drill“ üben die Objektschützer, wie sie einen Raum blitzschnell betreten und einnehmen

Schutz für die Luftwaffe – überall & jederzeit

Die Türe öffnet nach rechts innen. Mehr wissen die vier Soldaten nicht. Niemand wird „herein!“ rufen. Was sie drinnen erwartet, ist unbekannt. Leise positionieren sich die Objektschützer paarweise neben der Tür auf dem Flur. Gesten und Berührungen dienen als Verständigung. Missverständnisse könnten schon hier fatale Folgen haben. Auf ein Handzeichen öffnet Nr. 3 die Tür, und Nr. 1 betritt den Raum, geht in die lange Ecke, ohne den Blick abzuwenden. Nr. 2 huscht hinter ihm vorbei und sichert die kurze Ecke. 


Genau koordiniertes Vorrücken ist das a und o beim Häuserkampf

Genau koordiniertes Vorrücken ist das a und o beim Häuserkampf

Foto: © Bundeswehr

"Was hier geübt wird, sind die ersten Bausteine der Ausbildung im Orts- und Häuserkampf. Zwar ist Orts- und Häuser­kampf nicht unsere Kern­auf­gabe, aber ein Großteil der Welt ist bebaut, und deshalb müssen wir das beherr­schen und immer wieder trainieren“, erklärt Fricke. „Unser Auftrag ist es, weltweit Anlagen der Luftwaffe zu schützen, zum Beispiel den Flugplatz Mazar-e Sharif (Afghanistan).“ Grundsätzlich gilt: „Plant die Luftwaffe irgendwo einen Einsatz, sind wir die ersten, die da sind. Der Großteil der Soldaten ist daher infanteristisch ausgebildet. Im Bereich Infanterie sind das Scharfschützen, Nahaufklärung (mit der Drohne Aladin), Diensthunde (als Schutz- und Sprengstoffsuchhunde) und der „schwere Zug“ mit der Granatmaschinen­waffe.


Auch Spezialisten für Brandbekämpfung gibt es bei den Objektschützern

Auch Spezialisten für Brandbekämpfung gibt es bei den Objektschützern

Foto: © Bundeswehr / Anja Wagner

Neben der großen Infanterie-Komponente gibt es noch Pioniere, etwa für die Startbahninstandsetzung („Handwerker in Uniform“), Brandschutzsoldaten mit Schwerpunkt Luftfahrzeug-Brandbekämpfung und eine Logistik-Einheit, die den Feldlagerbetrieb auf die Beine stellt. Auch Quereinsteiger kommen zu den Objektschützern – im Fall von Gruppenführer Oberfeldwebel Brian Minge (26) sogar vom roten Teppich des Wachbataillons. Dort begann er nach dem Abitur und blieb sieben Jahre. Sein älterer Bruder war bereits beim ObjSRgtLw „F“, so dass er Informationen aus erster Hand hatte. Nach einem Truppenpraktikum – „um sicher zu sein“ – wechselte er von Berlin nach Schortens. Was beide an ihren Aufgaben schätzen, sind die körperlichen und mentalen Anforderungen, die einen schon mal an die Grenzen bringen.


Übungsgelände mit versteckten Klappscheiben, die eine Herausforderung für die Soldaten sein sollen.

Übungsgelände mit versteckten Klappscheiben, die eine Herausforderung für die Soldaten sein sollen.

Foto: © Anja Wagner

Auf dem Übungsgelände mit den versteckten Klappscheiben steht eine komplexe Herausforderung bevor. „Monate vor dem Truppenübungsplatzaufenthalt wurden die Aufgaben wie ein Drehbuch vorbereitet“, berichtet Ausbilder und stellvertretender Zugführer Hauptfeldwebel Stefan Neumann (40). Einzelne Gefechtssituationen wurden in Schortens vorgeübt, jetzt setzt sich alles zu einer komplexen Aufgabe zusammen. Jeder muss jederzeit wissen: Wo bin ich, wo sind meine Kameraden, was ist meine Aufgabe im ganzen Team, welche Folgen haben meine Entscheidungen?


Orts- und Häuserkampf: Mit den Signalfahnen werden Übungsgefechte geleitet

Orts- und Häuserkampf: Mit den Signalfahnen werden Übungsgefechte geleitet

Foto: © Anja Wagner

Das gilt auch für das Schießen mit scharfer Munition. Je ein Sicherheitsgehilfe begleitet einen Soldaten, gekennzeichnet mit einer roten Armbinde. Eine rote Fahne signalisiert, dass scharf geschossen wird. „Bewegt sich der Schütze zum Beispiel verdeckt am Boden, sorgt der Sicherheitsgehilfe dafür, dass niemand gefährdet wird“, erklärt Neumann. „Die vor allem mentale Erfahrung des Live-Schießens ist durch nichts zu ersetzen, und hier auf dem Truppenübungsplatz können wir das üben.“ Entwickelt sich der geplante Kampfverlauf während der Übung anders als geplant, etwa durch ein Missverständnis oder einen „Verletzten“, greifen die Übungsleiter unter Umständen auch ein, stoppen den Verlauf, erklären und setzen wieder neu an. „Die Soldaten sollen keine falschen Bilder im Kopf haben.“


Auf die vierbeinigen Kameraden ist Verlass

Auf die vierbeinigen Kameraden ist Verlass

Foto: © Anja Wagner

Ein anderes Gelände erfordert ein anderes Vorgehen. In einem hügeligen Wald arbeiten sich drei Gruppen in Richtung Gegner durchs Dickicht. Das Vorankommen am Boden mit der kiloschweren Ausrüstung ist mühsam, hinter jeder Kuppe könnte es gefährlich werden. Plötzlich ein Mörserangriff von vorn. Taktiken müssen geändert werden, Schüsse fallen. Rauch versperrt die Sicht auf den Forstweg. Schnelles, flexibles Handeln erfordert Übung – hier ist das möglich. „Objektschutz funktioniert nur im Team“, betont Minge. „Die Gruppenleistung ist aber genau das, was mir so gut gefällt!“ Und es gibt einige Möglichkeiten, sich weiterzuentwickeln und zu spezialisieren. 


Autor: Anja Wagner