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Entdecke die Bundeswehr.

Der Alltag der Soldaten.
Ein Zug steht in Reih und Glied vor dem Vorgesetzten.

Richt euch...

Foto: © Bundeswehr / Detmar Modes

Befehl und Gehorsam?

Wenn junge Frauen und Männer im Alter zwischen 16 und 20 Jahren befragt werden, welche negativen Seiten sie mit der Bundeswehr verbinden, wird oft an erster Stelle die „Abneigung gegen Befehl und Gehorsam“ genannt. Doch wie ist das eigentlich zu verstehen?

Viele setzen den Soldaten gleich mit einem reinen Befehlsempfänger, der ohne eigene Rechte und willenlos herumkommandiert wird. Häufig wird auch eine entsprechende Darstellung in TV- und Kinofilmen fälschlicherweise als Realität des Dienstes in den Streitkräften angesehen.


Dabei wissen sie häufig nicht, welchen Wandel der Soldatenberuf in der Vergangenheit durchlebt hat und welche umfangreichen Beteiligungsrechte schon die junge Soldatin oder der junge Soldat vom ersten Tag ihres bzw. seines Dienstes an hat. Die Bundeswehr hat aus der Vergangenheit früherer Armeen in Deutschland gelernt und ist als Armee in einer Demokratie selbstverständlich an die Wesenszüge unserer freiheitlichen Staatsform gebunden.


Soldatinnen und Soldaten der Marine ziehen an einem Tau.

Heiß...Segel!

Foto: © Bundeswehr / Andreas Noll

Es gibt Rechte und Pflichten

Das Prinzip des „Staatsbürgers in Uniform“ zielt gerade darauf ab, die Soldatinnen und Soldaten zum Mitdenken und Mitgestalten auszubilden und zu erziehen. So werden die Soldatinnen und Soldaten schon wenige Tage nach Dienstbeginn intensiv über die Pflichten in der Gemeinschaft des Zuges und selbstverständlich auch über die ihnen zustehenden, vielfältigen Rechte und Beschwerdemöglichkeiten informiert. Kaum eine andere Berufsgruppe besitzt so umfassenden Schutz vor Missbrauch der Vorgesetztenstellung. Natürlich kann keine Armee dieser Welt komplett ohne das Prinzip von Befehl und Gehorsam auskommen, auch nicht die Bundeswehr.


Drei Soldaten in Flecktarnuniform sehen sich im Gelände um.

Lageeinweisung.

Foto: © Bundeswehr / Detmar Modes

Hier zählt Schnelligkeit

Wenn militärische Vorgesetzte nach Beurteilung der Lage z. B. einen Entschluss für das weitere Handeln der Soldatinnen und Soldaten gefällt haben, muss diese Absicht in einem Befehl formuliert und die Befolgung durchgesetzt werden. Verantwortungsbewusste Vorgesetzte werden dies aber auch immer den Gruppen gegenüber nachvollziehbar begründen können. Auf der anderen Seite werden auch die Soldatinnen und Soldaten mit dem gegebenen Befehl keine Probleme haben, wenn sie ihre Vorgesetzten kennen und sie sich durch ihr bisheriges vorbildliches Führungsverhalten ihr Vertrauen gewonnen haben.
Da beim Einsatz von Streitkräften der Zeitfaktor eine besondere Bedeutung hat, kann nicht jede Anweisung an eine Soldatin oder einen Soldaten mit einer umfassenden Begründung des Sinns und Zwecks verbunden sein. Es ist gerade das Prinzip von Befehl und Gehorsam, das Streitkräfte zur schnellen Reaktion befähigt.


Ein Soldat bei der Schießausbildung am Maschinengewehr gemeinsam mit seinem Vorgesetzten.

Die Schießausbildung wird ernst genommen. Hier am Maschinengewehr 3.

Foto: © Bundeswehr / Detmar Modes

Ein Befehl kann Konsequenzen haben

Auch außerhalb der Bundeswehr gibt es das Prinzip von Befehl und Gehorsam, auch wenn die Begriffe dort so nicht genutzt werden. Ob anstelle von „Befehl“ nun „Anweisung“ oder „Vorgabe“ gesagt wird, einen großen Unterschied gibt es nicht. Allerdings kann ein „Befehl“ im militärischen Bereich eventuell auch über Leben und Tod entscheiden. Das macht den wesentlichen Unterschied des Soldatenberufes zu zivilen Berufen aus.
Dieser besonderen Verantwortung sind sich die militärischen Vorgesetzten immer bewusst, denn sie wissen auch, dass sie alle Konsequenzen, die aus ihren gegebenen Befehlen erwachsen, tragen müssen. Nicht zuletzt deswegen steht die Definition des Begriffes „Befehl“ auch im sogenannten „Wehrstrafgesetz“. Die Vorgesetzten machen sich nämlich bei unkorrekten Befehlen, z. B. bei solchen, die eine Straftat zur Folge haben oder gegen die Menschenwürde oder das Kriegsvölkerrecht verstoßen, selbst strafbar. Derartige Befehle muss und darf ein Untergebener in der Bundeswehr nicht ausführen. Auch wenn die eigene Menschenwürde verletzt wird, braucht eine Soldatin oder ein Soldat einen Befehl nicht zu befolgen. Über dieses doch recht komplexe Regelwerk wird jede Soldatin bzw. jeder Soldat zu Beginn der Grundausbildung ausführlich unterrichtet.


Eine Gruppe von Soldaten nachts bei der Geländeausbildung.

Die Geländeausbildung.

Foto: © Bundeswehr / Detmar Modes

Verantwortung statt nur Befehlsempfänger

Die Vorstellung, dass Soldaten reine Empfänger der Befehle einiger weniger Vorgesetzter sind, hat mit der Wirklichkeit nichts gemein. Im Grunde kann jede Soldatin und jeder Soldat durch die Übertragung von Verantwortung in die Rolle des Vorgesetzten kommen. In der Unteroffizier- bzw. Offizierlaufbahn kann man bereits nach etwa einem Jahr Dienstzeit Führer einer Gruppe mit ca. 10 Soldaten sein. In kaum einem anderen Beruf wird jungen Frauen und Männern in so kurzer Zeit so viel Verantwortung für Menschen und Material übertragen. Dafür werden sie in ihrer Ausbildung speziell geschult.

In der Bundeswehr gibt es das Prinzip der Auftragstaktik. Das bedeutet, dass Vorgesetzte in einem Befehl das Ziel, die Mittel und weitere Informationen vorgibt und der Untergebene den Weg zur Erreichung des Ziels selbst bestimmt. Somit haben die jungen Unteroffiziere und Offiziere schon früh eine relativ große Entscheidungsfreiheit.

Die meisten anderen Streitkräfte, auch innerhalb der NATO, verfahren im Unterschied dazu nach dem Prinzip der Befehlstaktik. Hierbei wird dem Untergebenen im Rahmen des Befehls auch der Weg zum Ziel vorgegeben.

Befehl und Gehorsam gehören einfach zu den militärischen Grundprinzipien. Aber jede Soldatin und jeder Soldat einer in der Demokratie verankerten Armee wie der Bundeswehr kann sich sicher sein, dass die Vorgesetzten in einer ganz besonderen Verantwortung für die gegebenen Befehle stehen. Durch dieses Prinzip sind die Soldatinnen und Soldaten von Beginn an geschützt. Die Grundlage dafür bildet, dass Vorgesetzte und Untergebene ihre Pflichten und Rechte kennen und sich so gegenseitig vertrauen können.