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Hubschrauberortungsmeister

Ein Hubschrauber im Landeanflug auf eine Fregatte.

Multitalent Sea Lynx

Der Bordhubschrauber SEA LYNX.

Multitalent Sea Lynx

Ein Soldat der Bordcrew sitzt im Flug mit Fliegerhelm an der offenen Seitentür des Hubschraubers.

Ein Team: Im Alarmfall muss der Hauptbootsmann innerhalb von 30 Minuten in der Luft sein.

Foto: © Bundeswehr / Kraatz

Hubschrauberortungsmeister

Hauptbootsmann Andy J. ist als Hubschrauberortungsmeister derzeit im Einsatz im Mittelmeer. Ob bei der Uboot-Jagd, Aufklärungsmissionen oder der Seenotrettung: der Marinesoldat ist jederzeit einsatz­bereit. Sein Arbeitsplatz auf hoher See ist der Hubschrauber Sea Lynx auf der Fregatte Augsburg.

Der Bordhubschrauber ist einer der Hauptsensoren der Fregatte. Ausrüstung und Bewaffnung des Hubschraubers sind auf Ubootjagd ausgelegt. Zu den Nebenaufgaben zählen der Transport und der Seenotrettungsdienst (SAR) innerhalb eines Schiffverbandes.


„Es ist immer eine Grundanspannung drin, wenn der Hubschrauber auf dem Flugdeck steht und in Alarmbereitschaft ist. Das bedeutet, dass er innerhalb von 30 Minuten in der Luft sein muss. Mit der Durchsage „Action Lynx“ geht`s los. Dann müssen wir arbeiten. Dann funktioniert man nur noch”, beschreibt Hauptbootsmann Andy J. die für ihn spannendsten Situationen als Hubschrauberortungsmeister.

Zur Zeit ist er mit der Fregatte Augsburg im Einsatz bei der Mission „Counter Daesh Maritime II". Ihr Auftrag ist der Geleitschutz des französischen Flugzeugträgers Charles de Gaulle. Als Hubschrauberortungsmeister auf dem Hubschrauber Sea Lynx begibt sich Andy J. auf Uboot-Jagd, auf Aufklärungsmissionen und steht jeder Zeit für die Seenotrettung bereit.


Spezialisten für die Uboot-Jagd

Seit 2005 ist Andy J. bei der Bundeswehr. Aufgrund seiner vorausgegangenen Ausbildung zum Groß- und Außenhandelskaufmann wird er direkt als Obermaat eingestellt. „Angefangen hab ich mit der Grundausbildung. Danach habe ich die Fachlehrgänge besucht”, erklärt der 31-Jährige. Dazu gehören neben dem Maatenlehrgang und militärfachlichen Lehrgängen vor allem der Bootsmannlehrgang der Verwendungsreihe 24.

In dieser Verwendungsreihe werden die Sonarbediener aller Schiffe und Luftfahrzeuge der Marine, die im Seekrieg zum Einsatz kommen können, zusammengefasst. Sie sind die Spezialisten für die Bedienung von Sonargeräten (Unterwasserortung) und für die Unterwasser-Lagebilderstellung auf Schiffen, Booten und Luftfahrzeugen der Marine. „Inhalt dieser Ausbildung ist es, von klein auf zu lernen, Uboote zu suchen, zu verfolgen und zu bekämpfen”, so der Hauptbootsmann. Dabei spiele es keine Rolle, ob man vom Schiff, vom Uboot oder vom Hubschrauber aus sucht.


Der Bordhubschrauber SEA LYNX.

Der Bordhubschrauber SEA LYNX.

Foto: © Bundeswehr / Ivo Schneider

Der Hubschrauber als verlängerter Arm des Schiffs

2007 wird er schließlich im Marinefliegergeschwader in Nordholz auf seinen zukünftigen Arbeitsplatz, dem Hubschrauber Sea Lynx ausge­bildet. „Da bekommt man eine fachliche und technische Einwei­sung. Was kann das Luftfahrzeug, wie ist es aufgebaut, wie funktioniert was.”

Die Ausbildung ist anspruchsvoll. „Die Besatzung des Hubschraubers besteht aus drei Leuten – zwei Piloten, ein Hubschrauberortungs­meister”, sagt der gebürtige Brandenburger. Auf seinem Posten muss er in der Lage sein, Probleme selbstständig zu erkennen und abzustellen. „Uns kann da keiner weiterhelfen. Sprich, wenn wir eine Störung haben, die für das Luftfahrzeug gefährlich werden könnte, müssen wir diese sofort abstellen können und dazu werden wir drillmäßig ausgebildet.”

Der Hubschrauber dient als verlängerter Arm des Schiffes, dessen Fähigkeiten er wesentlich um seine eigene Reichweite, seine Geschwindigkeit und Flexibilität erhöht. Der Sea Lynx ist ausgerüstet mit einem tiefenvariablen Sonar für aktive und passive Ortung sowie mit zwei Torpedos zur Bekämpfung gegnerischer Uboote. „Daher auch der Name Hubschrauberortungsmeister, weil es unsere Hauptaufgabe ist, mit dem Hubschrauber Uboote zu orten und diese, wenn nötig, mit dem Torpedo auch zu zerstören.”


Ein Bordsoldat hält das Seil der Winde bei geöffneter Tür im Flug fest.

Der verlängerte Arm der Augsburg: Der Hubschrauber kann mit seiner Ausrüstung feindliche U-Boote orten und zerstören.

Foto: © Bundeswehr / Kraatz

Uboote jagen – Menschen retten

Ausrüstung und Bewaffnung des Hubschraubers sind auf die Uboot-Jagd ausgelegt. Zu den Nebenaufgaben zählen der Transport und der Seenotrettungsdienst , kurz SAR (search and rescue), innerhalb eines Schiffsverbandes. „Nach der Solarausbildung bekam ich die Ausbildung an der Rettungswinde. Kurz gesagt: wie arbeitet man mit der Rettungswinde, wo kann ich mit ihr arbeiten und wo nicht, was sind die Limits”, erklärt der Marinesoldat.

Glücklicherweise habe er allerdings noch keinen SAR-Fall gehabt. „Wir haben schon mal Verletzte von einem Schiff auf das andere gebracht. Das nennt sich dann MedEvac. Aber ich musste noch nicht Menschen von einem sinkenden Frachter bergen.”


Der Begriff engl. MEDical EVACuation (Med Evac) bzw. dt. MEDizinische EVAKuierung (med. Evak.) bezeichnet den Abtransport verletzter Personen aus unsicheren Gebieten oder Verbringung derselben in qualifizierte medizinische Versorgung. Dies kann sowohl über Land oder See oder per Lufttransport (AirMedEvac) erfolgen.

Der Bordhubschrauber Sea Lynx steht im Abendrot auf dem Marinefliegerstützpunkt Nordholz.

Der Bordhubschrauber Sea Lynx steht auf dem Marinefliegerstützpunkt Nordholz.

Foto: © Bundeswehr / Bilal Bektas


730 erfolgreiche Einsatztage

Auf zehn Einsätze in acht Jahren kann Hauptbootsmann Andy J. bereits zurückblicken. „Vor dem jetzigen Einsatz waren es 699 Einsatztage. Jetzt sind es 730”, sagt der Berufssoldat stolz. „In meinem Einsatz bei Atalanta vor Somalia hatte ich mein bisher spannendstes Erlebnis. Das war 2012 mit der Fregatte Köln. Da haben wir viele, viele Erfolge gefeiert”, blickt Andy J. zurück. „Wir haben Piraten auf hoher See aufgestöbert. Das war wirklich die Nadel im Heuhaufen.” Fast täglich konnten sie mit dem Hubschrauber der Piraterie verdächtige Personen aufstoppen und in Gewahrsam nehmen. „Hubschrauberortungsmeister – das ist ein superschöner Job. Ich mache den wirklich gerne und fahre auch wirklich gerne zur See. In der Luft über See sind wir zu Hause.”, zieht Andy J. Bilanz.


BERUFLICHER WERDEGANG

  • 2005 Allgemeine Grundausbildung
  • April bis Juli 2005 Ausbildung- und Verwendungslehrgänge der Unteroffiziere (Maatenlehrgang und Militärfachliche Ausbildung Maat)
  • August bis Oktober 2005 Bootsmannlehrgang an der Marineunteroffiziersschule in Plön
  • 2006 Sprachlehrgang Englisch an der Marineoperationsschule in Bremerhaven
  • 2006 Militärfachliche Ausbildung zum Bootsmann für die Verwendungsreihe 24 an der Marineoperationsschule in Bremerhaven
  • 2007 Militärfachliche Ergänzungslehrgänge für den fliegerischen Dienst in Nordholz
  • seit 2008 Hubschrauberortungsmeister in der Einsatzstaffel in Nordholz
  • 2013 Übernahme zum Berufssoldaten

Autor: Alexandra Möckel