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Schützenpanzer Puma

Feuerkraft-Beweglichkeit-Schutz

Video zum Schützenpanzer Puma.

Schützenpanzer Puma beim scharfen Schuss

Feuereröffnung!

Feuereröffnung!

Foto: ©Bundeswehr/Sebastian Wilke

Schützenpanzer Puma und das „System Panzergrenadier“

Panzergrenadiere. Gemeinsam mit der Panzertruppe sind sie das Rückgrat des Deutschen Heeres. Geachtet, im Einsatz bewährt, aber manchmal unterschätzt und in der Vergangenheit oftmals etwas im Schatten der Panzer- oder Luftlandetruppe stehend. Panzergrenadier zu sein, war in Zeiten von High-Tech Waffensystemen einfach nicht mehr „sexy“. Zumal das Schlachtross der Panzergrenadiere – der 45 Jahre alte Schützenpanzer Marder – schon lange nicht mehr zeitgemäß ist und anderen Truppengattungen in puncto Technologie und Kampfkraft hinterher hinkt. Mit dem Schützenpanzer Puma und dem vernetzten „System Panzergrenadier“ bricht nun eine neue Epoche für die Panzergrenadiere an – ein Quantensprung für die Panzertruppen.
 

Ruhig und konzentriert sitzt Hauptfeldwebel Alexander Ziebell hinter der Steuerkonsole der Feuerleitanlage des Pumas. Auf zwei Monitoren verfolgt er die Lageentwicklung, die sich in rund zwei Kilometer Entfernung abzeichnet. In der rechten Hand hält er den Joystick mit dem er die 30 Millimeter Bordmaschinenkanone im Turm des Schützenpanzers steuert. Über die stabilisierte Optik mit 16-facher Vergrößerung zoomt der Berufssoldat eine gegnerische Schützengruppe heran, die auf der Schießbahn durch Klappscheiben dargestellt wird. Leise summt die Elektronik des Schützenpanzers als Hintergrundrauschen, während Rotlicht den Innenraum in eine gedämpfte Atmosphäre taucht. Vor dem Schuss erhält der Hauptfeldwebel noch einige Tipps von seinem Ausbilder, der auf der rechten Seite des Schützenpanzers auf dem Kommandantensitz die Handgriffe von Ziebell beobachtet. „Einzelschuss auf erkannten Feind. Feuer!“, befiehlt der Ausbilder in ruhigem Ton.
Mit einem harten, metallischen Schlag verlässt die Air-Burst-Munition die Bordmaschinenkanone. Treffer!

Der neue Kampfraum...

Der neue Kampfraum...

Foto: ©Bundeswehr/Matthias Duchscherer

Der 32-jährige Hauptfeldwebel kommt aus dem Panzergrenadierbataillon 33 in Neustadt am Rübenberge und ist einer der Ersten, die zum Kommandanten des neuen Schützenpanzers Puma ausgebildet werden. Obwohl er bereits Erfahrung als Panzergrenadier und Kommandant auf dem Marder hat, stellt die Umschulung auf das neue System eine Herausforderung dar. „Als gelernter Panzergrenadier ist die Waffenanlage des Pumas für mich ungewohnt. Im Marder haben wir vieles manuell ausgeführt. Jetzt nutzen wir zum Beispiel einen Laser für die Entfernungsmessung, was für mich erst einmal total ungewohnt ist. Zudem ist die Waffenanlage des Pumas dynamisch, ähnlich der im Kampfpanzer Leopard 2 . Damit können wir nun ebenfalls Ziele aus der Bewegung und auf große Kampfentfernung bekämpfen. Außerdem hat der Puma einen deutlich stärkeren Motor als der Marder. Bisher mussten die Leos immer auf uns warten, jetzt können wir ohne Probleme mithalten. Das bedeutet für mich, dass ich mich in Zukunft anders taktisch Verhalten muss“, erklärt Ziebell.

Technologisch an der Spitze der Entwicklung

In der Raumaufteilung ist der Unterschied zum Vorgänger klar erkennbar...

In der Raumaufteilung ist der Unterschied zum Vorgänger klar erkennbar...

Foto: ©Bundeswehr/Matthias Duchscherer

In drei Modulen zu je fünf Wochen bildet das Ausbildungszentrum Munster die Feldwebel und Offiziere auf dem neuen System aus. Den Beginn macht die Umschulung zum Richtschützen MK 30mm. Alle zukünftigen Kommandanten müssen erst die Waffenanlage beherrschen, bevor sie später selbst ihre eigenen Soldaten auf dem System ausbilden und für den Einsatz fit machen können. Im zweiten Ausbildungsschritt lernen die Umschüler dann, die Aufgaben als Panzerkommandant wahrzunehmen, dazu zählt auch das Beherrschen der komplexen Informations- und Kommunikationssysteme sowie der Mix aus verschiedenen infanteristischen Handwaffen, die das neue Konzept ‚System Panzergrenadier’ beinhaltet. „Es ist ja nicht nur der neue Schützenpanzer Puma, der den Panzergrenadier technologisch an die Spitze der Entwicklung bringt. Zum Gesamtkonzept gehört auch das erweiterte System Infanterist der Zukunft (IdZ-ES), das von Anfang an für den Einsatz im neuen Schützenpanzer vorgesehen war. Es verbindet den Schützentrupp und die Besatzung sowohl untereinander als auch mit der übergeordneten taktischen Führungsebene digital“, verdeutlicht Oberstleutnant Georg Küpper, Leiter Lehrgangsplanung im Ausbildungszentrum Munster. Neben der digitalen Vernetzung der Soldaten zählen eine neukonzipierte Bekleidungs-, Schutz- und Trageausstattung sowie ein modular aufgebautes Waffen-, Optik- und Optroniksystem zum IdZ-ES.

Schaltzentrale und neuronales Herz

Displays und Kameramonitore haben die alten Analoginstrumente ersetzt.

Displays und Kameramonitore haben die alten Analoginstrumente ersetzt.

Foto: ©Bundeswehr/Matthias Duchscherer

Der Nebel des Krieges stellt seit jeher militärische Führer und Führungsprozesse vor erhebliche Herausforderungen. In seinem Buch ‚Vom Kriege’ beschrieb Carl von Clausewitz die strategische Notwendigkeit, Entscheidungen unter Zeitdruck mit unvollständigen Informationen nach bestem Wissen und Gewissen zu treffen. Und seit jeher versuchen Militärs mit großem Aufwand diesen Nebel zu lüften. Mit dem neuen System Panzergrenadier macht das deutsche Heer einen großen Schritt, um den Informationsfluss zwischen den Soldaten zu verbessern. „Der Puma ist zukünftig die Schaltzentrale und das neuronale Herz der Panzergrenadiere. Hier laufen alle Fäden auf taktischer Ebene zusammen. Digitale Lagekarten mit Positionsanzeige der eigenen und gegnerischen Kräfte können jedem Soldaten direkt in das Helmdisplay eingespielt werden. Damit vermeiden wir in Zukunft eine unklare Lage und bewahren unseren Angriffsschwung. Zudem sind wir mit dem neuen System deutlich leiser unterwegs, denn über den aktiven Gehörschutz im Innenohr und dem Kehlkopfmikrophon gehören die Zeiten des Herumschreiens im Gefecht der Vergangenheit an“, erläutert Hauptfeldwebel Ziebell. Mit der erhöhten Komplexität des Systems, steigt aber die Anforderung an die Soldaten und deren Ausbildung. Neben Teamgeist und grundlegendem Technikverständnis zeichnen nachwievor eine hohe körperliche und psychische Leistungsbereitschaft das Anforderungprofil zukünftiger Panzergrenadiere aus.

Schützenpanzer Puma und Kampfpanzer Leopard II in trauter Zweisamkeit...

Schützenpanzer Puma und Kampfpanzer Leopard II in trauter Zweisamkeit...

Foto: ©Bundeswehr/Mario Bähr

„Ich bin ursprünglich Panzermann und komme vom Leopard 2. Die Umstellung auf den Puma bedeutet für mich, dass ich anstatt mit einer 120 Millimeter Panzerkanone, nur noch mit einer 30 Millimeter Maschinenkanone schieße. Dafür kann ich nun Feuerstöße abgeben. Die größte Umstellung für mich ist aber, dass ich als Puma-Kommandant nicht nur die Verantwortung für den Fahrer und den Richtschützen habe, sondern auch die Verantwortung für den sechs Mann starken Schützentrupp trage, der abgesessen kämpft. Beim Leopard waren wir zu viert auf dem Bock, jetzt sind wir zu neunt“, erzählt Oberfeldwebel Tobias Klein von seiner bisherigen Erfahrung in der Ausbildung. Der 25-Jährige war Panzerkommandant im Panzerbataillon 33, bevor es zum Panzergrenadierbataillon 33 umgegliedert wurde und als erstes Bataillon im Heer mit dem Schützenpanzer Puma ausgestattet wird. In den kommenden Jahren werden alle Panzergrenadierbataillone ihre Marder durch das neue System Puma ersetzen. „Der Puma ist damit der zukunftsweisende Technologieträger im Deutschen Heer und wird auch die zukünftige Entwicklung der Panzertruppe prägen“, ist Oberstleutnant Küpper überzeugt.
 

Autor: Matthias Duchscherer

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