• Suche

Mach, was wirklich zählt.

Ein getarnter Soldat auf Skiern erkundet das Gelände.
Ein getarnter Scharfschütze beobachtet seinen Bereich.

Gut getarnt hat der Scharfschütze alles im Blick.

Foto: © Bundeswehr

Scharfschütze bei den Gebirgsjägern

Klettern, Skifahren, Schießen – Oberstabsgefreiter Dennis S. ist Scharfschütze. Bei diesem Job geht der Gebirgsjäger regelmäßig an seine Grenzen: Denn es geht immer noch höher, schneller und weiter. Scharfschützen müssen nicht nur besser treffen als andere Soldaten. Sie müssen auch belastbarer sein als der Durchschnitt – körperlich und mental. Denn ihre Aufträge erfüllen sie weitgehend selbstständig, abgesetzt von der eigenen Truppe, in schwierigem Gelände und bei jedem Wetter. Scharfschützen sind Infanteristen pur, doch leisten sie nicht nur im Heer Dienst. Auch Luftwaffe und Marine haben diese Spezialisten in ihren Reihen.


Seit 2011 ist Dennis S. bei der Bundeswehr. „Ich habe ein Schreiben vom Kreiswehrersatzamt bekommen, indem ich zum Wehrdienst einberufen wurde“, erzählt der 26-Jährige. Noch bevor er seinen Dienst antreten konnte, wurde die Wehrpflicht ausgesetzt. „Ich hatte mich allerdings schon damit abgefunden, also bin ich trotzdem gegangen.“ Seine Grundausbildung absolvierte er als Freiwillig Wehrdienstleistender (FWDL) im Wachbataillon in Berlin. Nach zehn Monaten Dienstzeit wollte er mehr erleben. „Mich haben besonders die spezialisierten Kräfte angezogen, weil ich auch gefordert werden wollte“, erinnert sich der Berliner. Er entschied sich für die Gebirgsjäger.


Bewegen wie ein Gebirgsjäger

2012 wurde er in die 3. Kompanie des Gebirgsjägerbataillons 232 in Bischhofswiesen versetzt. Als Hauptgefreiter musste er lernen, sich wie ein Gebirgsjäger zu bewegen. Das heißt, im Sommer Klettern und im Winter Skifahren. „Klettern konnte ich schon, Skifahren musste ich erst lernen“, sagt Dennis S. „Das war anstrengend, wenn alle das schon können und man selber immer hinterherfliegt. Da muss man auch mal die Zähne zusammenbeißen.“ Seine Anstrengungen zahlen sich aus. „Nach einem Winter konnte ich sturzfrei bergab fahren, nach dem Zweiten schon mit Gepäck und mittlerweile auch mit Gepäck und Universaltrage“, erzählt er. Die Universaltrage muss mit, um Verletzte transportieren zu können. „Weil mir das so gut gefallen hat, habe ich meine Dienstzeit auf 23 Monate verlängert.“ Kurze Zeit später entschied er sich, Soldat auf Zeit zu werden. Er verpflichtete sich für acht Jahre.


Aus der Deckung alles im Blick.

Aus der Deckung alles im Blick.

Foto: © Bundeswehr / Schmidt

Seine Eignung muss er erst beweisen

Ausgebildet als Schütze an der fernbedienbaren leichten Waffenstation, der Granatmaschinenwaffe und der Panzerabwehrwaffe MILAN, fühlte sich Dennis S. immer noch nicht ausgelastet. „Ich wollte noch mehr, wollte sehen, was ich alles schaffen kann.“ Er bewarb sich als Scharfschütze. Im Januar 2016 absolvierte er den Einstellungstest. Dazu gehört ein 7.000 Meter-Lauf mit 20 Kilogramm Gepäck in 52 Minuten und anschließendem Überwinden der Hindernisbahn. Doch bei der körperlichen Anstrengung bleibt es nicht, während des Laufes wird auch der Geist gefordert. „Ich musste beispielsweise meinen Lebenslauf schreiben und vorlesen und mir während eines Laufs Gegenstände merken und später wiedergeben“, so der Oberstabsgefreite. Er bestand und konnte in die viermonatige Vorausbildung starten.


Annähern, Beobachten, Melden

Er lernte, sich unbemerkt einem Ziel anzunähern. Beobachtete aus seiner Stellung das vor ihm liegende Gelände, identifizierte Waffen und Kampfmittel, schätzte Entfernungen, zeichnete Skizzen, schrieb alles auf und meldete es weiter. Rund 100 Gegenstände und deren korrekte Bezeichnung musste er auswendig lernen.

Hatte er den Feind erkannt, musste er schnellstmöglich seine Stellung wechseln und aus einer anderen Perspektive weiter beobachten. „Ordnung in der Stellung ist das A und O. Beim Ausweichen darf man nichts liegen lassen, darauf achten die Ausbilder. Der Feind darf nichts finden, was ihn zu uns führen könnte“, erklärt Dennis S. Auch Tarnung muss weggeräumt werden. Am Ende wurde er am Scharfschützengewehr G22 ausgebildet.


Zwei Soldaten liegen getarnt bei winterlichen Wetterverhältnissen im Wald und beobachten durch das Zielfernrohr.

Spotter und Schütze: Scharfschützen sind immer im Team unterwegs. Ihre Waffe ist das Scharfschützengewehr G22.

Foto: © Bundeswehr / Schmidt

„Der Schütze schießt, der Spotter trifft”

Ein Scharfschützenteam besteht mindestens aus einem Spotter und einem Schützen. Beide werden im Team ausgebildet und „beide können beides“, sagt Dennis S. „Der Schütze schießt, der Spotter trifft“, erklärt er ihre Aufgaben.

Für die Einstellung der Waffe gibt der Spotter an den Schützen Daten wie Entfernung des Ziels sowie Windstärke und –Richtung weiter. „Nach dem Schuss beobachtet der Spotter die Flugbahn. Er korrigiert die Werte, falls der Schuss das Ziel verfehlt. Dann folgt ein Nachschuss.“


Scharfschützen sind eine Familie

Nach seiner Vorausbildung folgte ein vierwöchiger Lehrgang. „Eigentlich ist es eher ein Prüfgang. In diesen vier Wochen muss man alles nachweisen, was man davor gelernt hat“, so der Scharfschütze.

Zurück in der Truppe wurde der frisch ausgebildete einem altgedienten Scharfschützen zugeordnet, um von ihm zu lernen und Erfahrungen zu sammeln. „Es gibt nichts besseres, als nach Ende der harten Ausbildung in diese Familie aufgenommen zu werden“, fasst Dennis S. seine Ausbildung zusammen.


Werdegang 

2011Eintritt in die Bundeswehr als Freiwillig Wehrdienstleistender
2012Ausbildung zum Gebirgsjäger im Gebirgsjägerbataillon 232 in Bischofswiesen
2013Weiterverpflichtung zum Soldat auf Zeit
2016Einstellungstest und Ausbildung zum Scharfschützen


Autor: Alexandra Möckel

Scharfschütze bei den Gebirgsjägern