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IT-Spezialisten auf hoher See

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IT-Spezialisten auf hoher See

Ein Marineschiff braucht perfekt funktionierende Informationstechnik. Auf einem der modernsten Versorgungsschiffe der Marine kümmern sich fünf Fachleute darum, dass streng geheime Rechner­netze sicher laufen.


 

 

Oberleutnant Schlimgen als IT-Berater

Oberleutnant Schlimgen als IT-Berater

Foto: Bundeswehr/Janine Pape

Oberleutnant zur See Timo Schlimgen ist Informationstechnik­offizier auf dem Versorgungsschiff „Bonn“. Er ist der Chef der IT-Spezialisten an Bord. Seine kleine Truppe besteht aus vier Unteroffizieren. Die IT-Infrastruktur der „Bonn“ ist vergleichbar mit der einer größeren Firma. An Bord des 174 Meter langen Schiffes gibt es ein Rechenzentrum, verschlüsselte und unverschlüsselte Netzwerke – mit festen und mobilen Komponenten. Die IT-Soldaten vernetzen insbesondere verschiedenen Anlagen der Waffentechnik miteinander: Hierzu gehören die Navigations-, Radar- und Funkanlagen sowie die automatisierten Waffenstationen, die das große Versorgung­schiff zur Selbstverteidigung besitzt. Erst im Zusammenspiel machen diese Systeme die Technik des Schiffes zu einem funktionierenden Ganzen. Schlimgen und sein Team gehören zu den „stillen Helden“ an Bord.

„Das Beste an diesem Job ist die Abwechslung: einerseits den Kameraden bei kleinen IT-Wehwehchen zu helfen, andererseits aber auch anspruchsvolle Aufgaben zu bewältigen“, erzählt Hauptbootsmann Oliver Schmidt. Er hatte sein Fachabitur mit Ausbildung zum Informationstechnischen Assistenten in der Tasche, als er 2004 als Wehrpflichtiger zur Marine kam. Weil auch damals schon IT-Personal in der Truppe gerne gesehen war, wurde ihm angeboten, Zeitsoldat zu werden. Nach zwei Jahren als Obermaat erhielt er die Möglichkeit, Bootsmann zu werden. Zuerst war Schmidt an Land im IT-Systembereich der Bundeswehr tätig; 2016 rief dann die Seefahrt und, inzwischen zum Hauptbootsmann befördert, ging er als sogenannter Erster Informationstechnikmeister auf die „Bonn“. 

Schwimmendes Rechenzentrum: Die vielen einzelnen Anlagen und Systeme auf modernen Marineschiffen stützen sich auf eine komplexe IT

Schwimmendes Rechenzentrum: Die vielen einzelnen Anlagen und Systeme auf modernen Marineschiffen stützen sich auf eine komplexe IT

Foto: Bundeswehr/Twardy

Als ausgebildeter Informationstechniker hat man bei der Marine sehr gute Karriere-Chancen. In den letzten Jahren ist der Bedarf an IT-Fachpersonal stetig gestiegen. Die wohl wichtigste Voraussetzung ist  technisches Verständnis. Eine abgeschlossene IT-Ausbildung erhöht obendrein die Chance, gleich mit einem höheren Dienstgrad ein­zusteigen. Aber auch die Bundeswehr bietet eine Berufsausbildung in diesem Bereich an. Diesen Weg hatte André Bertolt eingeschlagen, der zweite Hauptbootsmann in Schlimgens Team. Die Seefahrt und die angebotene Ausbildung hatten ihn zur Marine gelockt. Er absolvierte zuerst die Grundausbildung und dann, wie alle angehenden Bootsleute, die allgemeinen Unter­offizierslehrgänge, bevor er IT-System­elektroniker wurde. Nach weiteren Fachlehrgängen kam er 2012 auf seinen Dienstposten als Zweiter Informationstechnikmeister.

IT-Spezialisten sind an Bord der Schiffe unabdingbar

IT-Spezialisten sind an Bord der Schiffe unabdingbar

Foto: Bundeswehr/Twardy

Bertolt weiß, dass es in der IT an Bord nicht nur um Hard- und Software geht. Was die IT-Sicherheit in der Bundeswehr betrifft, liegt die Kunst darin, alle Sicherheits­bestimmungen umzusetzen und dabei die Arbeitsfähigkeit gar nicht oder nur so gering wie möglich einzu­schränken. „Jeder Einzelne muss organisatorisch dazu beitragen, und das fängt mit Zugangspasswörtern an“, sagt Bertolt.  Die Arbeit der Computerspezialisten ist auf See ein 24-Stunden-Service: von leeren Druckerpatronen, die gewechselt werden müssen, über Softwareprobleme bis hin zum komplexen Administrieren der Serverfarmen an Bord. 


Die "Bonn" ist eines der modernsten und größten Schiffe der Deutschen Marine

Die "Bonn" ist eines der modernsten und größten Schiffe der Deutschen Marine

Foto: Bundesehr/Twardy

Auch für die Lebensqualität der Crew der „Bonn“ sind die Informations­technikmeister unabkömmlich. Die Kommunikation von hoher See aus mit den Familien zu Hause ist für alle an Bord enorm wichtig. Neben der IT-Arbeit haben die beiden Hauptboots­leute noch Nebenaufgaben. Beim An- und Ablegen des Schiffes packen sie kameradschaftlich mit an und tragen gleichzeitig Verantwortung für die Sicherheit auf dem Oberdeck. 
Im Gefecht arbeiteten die IT-Spezialisten in der "Weapon Section Base". Hier laufen im Gefecht alle Informationen zusammen. Die Verantwortlichen treffen wichtige Entscheidungen, priorisieren Reparaturen und koordinieren die Instandsetzungstrupps. Damit sind Schlimgen und sein Team nicht nur Experten in ihrem Fachgebiet, sondern an Bord echte Allrounder.

Autor: Janine Pape