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Das Titelbild zeigt einen Piloten und nennt den Titel des Artikels: Die 10 größten Piloten-Mythen

Mythos 1: Perfekte Augen sind ein Muss!  

Stimmt nicht! Liebe Brillenträgerinnen und -träger, ihr könnt aufatmen: Brillen sind im Cockpit erlaubt. Pilotinnen und Piloten der Bundeswehr werden dafür mit Fliegersonderbrillen ausgestattet. Allerdings gelten bei der Erstuntersuchung zur Wehrfliegerverwendungsfähigkeit bestimmte Grenzwerte für Jet-Pilotinnen und Jet-Piloten: Kurzsichtigkeit – 3,00 dpt (Dioptrien) und - 1,50 dpt, Weitsichtigkeit + 3,00 dpt und + 2,00 dpt, Hornhautverkrümmung 2,00 dpt und 0,50 dpt. Generell gilt: Jedes Auge muss 100 Prozent mit Brille sehen können. „Wer Pilotin bzw. Pilot werden möchte, sollte sich vor der Erstuntersuchung nicht lasern lassen“, empfiehlt Dr. Jörg Frischmuth, Augenarzt und Leiter der Klinischen Flugmedizin und Aeromedical Center. Sollte dabei nämlich die falsche Methode angewandt werden und dies zu Beeinträchtigungen führen, könnte die Tauglichkeit ausgeschlossen werden. Übrigens: Dass eine Farbschwäche ein K.-o.-Kriterium ist, stimmt tatsächlich.

Mythos 2: Keine Füllungen in den Zähnen!

Stimmt nicht! Früher war dies tatsächlich ein Ausschlusskriterium für die Pilotenlaufbahn. Heute gilt dieses Verbot aufgrund von technischen Neuerungen und Kunststofffüllungen aber nicht mehr. „Bei der zahnärztlichen Untersuchung wird überprüft, ob die Füllungen dicht sind und ob die Bewerberin bzw. der Bewerber sich gut über das Mikrofon verständigen kann“, verrät Claudia Lorenz, Zahnärztin im Zentrum für Luft- und Raumfahrtmedizin.

Mythos 3: Nur ohne Piercings und Tunnel!

Stimmt nicht! Piercings oder Tunnel sind für Pilotinnen und Piloten kein Problem, solange das Tragen der Schutzbekleidung und Ausrüstung dadurch nicht behindert wird. Gegebenenfalls kann es notwendig sein, Piercings für den Flugbetrieb (zeitweise) abzulegen und Tunnel abzudecken, stellt Carsten Juhran, Leiter der Hals-Nasen-Ohrenheilkunde, klar.

Mythos 4: Keine Tattoos!

Stimmt teilweise! Tattoos sind nicht für körperliche Einschränkungen im Cockpit verantwortlich und daher generell auch kein Ausschlussgrund. Aber Achtung! Bei der medizinischen Untersuchung zur Tauglichkeit gilt die allgemeine Regelung wie für alle Soldatinnen und Soldaten: Tattoos sind bei öffentlichen Veranstaltungen der Bundeswehr zu verdecken bzw. abzudecken. Zudem dürfen die Motive nicht den Werten und Normen des Grundgesetztes entgegenstehen.

Mythos 5: Die Körpergröße entscheidet!

Stimmt! Das Cockpit eines Jets ist klein und da muss die Pilotin bzw. der Pilot natürlich hineinpassen. „30 Prozent aller Bewerber sind zu groß“, bestätigt Dr. Torsten Pippig, Orthopäde. Allerdings ist hier nicht die gesamte Körperlänge von Bedeutung, sondern es kommt auf bestimmte Teilkörpermaße an. Die drei wichtigsten: Oberschenkellänge nicht größer als 63 Zentimeter, Sitzhöhe nicht größer als ein Meter und Reichweite der Arme nicht kleiner als 76 Zentimeter. Wer für den Jet nicht die richtigen Maße hat, ist trotzdem nicht gleich untauglich, sondern kann stattdessen für einen anderen Flugzeugtyp oder einen anderen Aufgabenbereich geeignet sein.

Mythos 6: Das Körpergewicht ist wichtig!

Stimmt! Das Körpergewicht von Jet-Pilotinnen und Jet-Piloten muss mindestens 70 Kilogramm und darf maximal 120 Kilogramm betragen. Der BMI (Body-Maß-Index) sollte höchstens bei 27,5 liegen. Auch hier sind Sondergenehmigungen und Unterscheidungen für die verschiedenen Flugzeugtypen möglich.

Mythos 7: Nur ohne Allergien!  

Stimmt nicht! Eine Allergie ist nur dann ein Problem, wenn sie zu erheblichen körperlichen Einschränkungen führt und dieses auch bei optimaler Behandlung nicht besser wird. Erhebliche Einschränkungen können Störungen des Druckausgleichs, Atemschwierigkeiten und Sehstörungen durch Reizung der Bindehäute sein, erklärt Carsten Juhran, HNO-Arzt und Allergologe. Eine Bewerbung als Pilotin bzw. Pilot ist also trotz Allergie möglich.

Mythos 8: Keine Migräne!

Stimmt! „Eine bestehende Migräne ist tatsächlich ein Ausschlussgrund“, bestätigt der Leiter der klinischen Flugmedizin Dr. Jörg Frischmuth. Wer darunter leidet, kann keine Pilotin bzw. Pilot werden.

Mythos 9: Nur Nichtraucher!

Stimmt nicht! „In meiner Abteilung wird niemand nach Hause geschickt, weil er raucht“, erzählt Friedrich Lüling, Leiter der Neurologie. „Aber die Bewerber sollten gesund leben und sich fit halten, sonst fällt das ohnehin bei den anderen Untersuchungen auf.“ 

Mythos 10: Alkohol ist tabu!

Stimmt teilweise! Im Dienst ist der Konsum von Alkohol natürlich absolut tabu. Außerhalb der Dienstzeit findet Friedrich Lüling: „Es kommt auf die Gewohnheiten an.“ Und wie sieht es mit illegalen Drogen aus? „Die sind jederzeit tabu! Es wird ein routinemäßiger Drogentest durchgeführt. Wem da was nachgewiesen werden kann, ist raus und wird keine Pilotin bzw. kein Pilot!“

 

Piloten der Bundeswehr.

Alle Mythen aus der Welt geräumt? Dann kann's ja losgehen.

Foto: © Bundeswehr / Trotzki