• Suche

Entdecke die Bundeswehr.

Hinweis vor dem Raum für die Kontrolle der Frauen.
Eine Soldatin öffnet den vor Blicken geschützten Bereich.

Eine Soldatin öffnet den vor Blicken geschützten Bereich.

Foto: © Bundeswehr / Tom Twardy

Wachsam und sensibel: Die Female Searcher

Mazar-e-Sharif, morgens im Camp Marmal. Stabsunteroffizier Peggy Engels* und Oberfeldwebel Eileen Freund* haben gerade ihren Dienst angetreten. Auf einmal ein kurzes Piepen im Funkgerät, das Engels stets bei sich trägt: „Can you please come to the main gate?“ Die beiden Soldatinnen müssen sich beeilen. Sie sind heute als sogenannte „Female Searchers“ eingeteilt. 15 Minuten Zeit haben die beiden Frauen, um von ihrem Arbeitsplatz im Feldlazarett im Camp Marmal an das Haupttor zu kommen. Dafür müssen Stabsunteroffizier Peggy Engels und Oberfeldwebel Eileen Freund ihre reguläre Arbeit für die Dauer des Einsatzes stehen und liegen lassen. 


Zwei Soldatinnen kontrollieren eine afghanische Frau.

Zwei Soldatinnen kontrollieren eine afghanische Frau.

Foto: © Bundeswehr / Tom Twardy

Afghanische Frauen arbeiten im Camp

Denn am Eingang zum deutschen Feldlager stehen afghanische Frauen, die tagsüber als Ortskräfte im Camp arbeiten wollen. An einer Schleuse, wie man sie aus dem Freibad kennt, stehen drei von ihnen vor dem stählernen Drehkreuz und warten. Die Afghaninnen haben bereits mehrere Sicherheitskontrollen durchlaufen. Nachdem sie sich an einem ersten Checkpoint mit ihren Papieren ausweisen mussten, gelangen sie über ein labyrinthartiges System an Gängen in einen unscheinbaren weißen Container. Dort legen sie ihre Taschen und persönlichen Gegenstände auf ein Förderband, das durch ein Röntgengerät läuft. Sie gehen anschließend durch einen Metalldetektor und drehen sich vor einem Körperscanner einmal um die eigene Achse. Soldaten sind zu diesem Zeitpunkt nicht in ihrer Nähe. Nur Bildschirme zeigen die nächsten Schritte durch den hochmodernen Sicherheitscheck an. 

Erst nach der Kontrolle entladen die Soldatinnen ihre Waffen wieder.

Erst nach der Kontrolle entladen die Soldatinnen ihre Waffen wieder.

Foto: © Bundeswehr / Tom Twardy

Der Schutz des Camps steht an oberster Stelle

In einer Zentrale verfolgen Soldatinnen und Soldaten des Camps über Kameras jeden Schritt der Ortskräfte und leiten sie über Lautsprecher im Container durch die Sicherheitsüberprüfung. Erst dann gelangen sie zum inneren Sicherheitsring. Auch hier steht der Schutz des Camps und der Soldaten an oberster Stelle.

Überall befinden sich Wälle aus sogenannten Hescos, große mit Schotter und Sand gefüllte Metallkörbe, die den Bereich abschirmen und Schutz vor Beschuss und Splittern bieten. Alle Soldaten, die hier zur Sicherung eingesetzt werden, tragen Splitterschutzwesten, Helme und geladene Waffen.


30 Frauen und Kinder kommen durch den Sicherheits-Check

Auch die beiden „Female Searchers“, die hier in einem täglich wechselnden 24-Stunden- Bereitschaftsdienst arbeiten, sind so ausgestattet. In ihren Händen liegt der letzte Teil der Sicherheitskontrolle.

Die „Search Girls“, wie sie auch genannt werden, tasten die Ortskräfte vor dem Betreten des Lagers ab. Außerdem fertigen sie einen digitalen Scan der Iris, also der Regenbogenhaut des Auges, an. Die biometrischen Daten werden gespeichert. „Normalerweise fünf, an einigen Tagen aber auch 20 oder 30 Frauen und Kinder müssen durch die Sicherheits-Checks am Eingang“, berichtet Oberfeldwebel Freund, die bereits häufig als „Female Searcher“ eingeteilt war. Wie schon an den Sicherheitsstationen zuvor, werden Frauen und Männer getrennt voneinander behandelt.

Afghanische Frauen tragen „Parda“

Rund 800 männliche Ortskräfte betreten jeden Tag das Camp. Während sie von männlichen mongolischen Sicherungssoldaten überprüft werden, sind für die Afghaninnen wechselnde Teams aus jeweils zwei weiblichen Soldaten zuständig. In Afghanistan Link öffnet sich in neuem Fensterherrscht die sogenannte „Parda“. Wie in vielen Regionen des Orients ist auch hier die Verschleierung der Frauen und ihre räumliche Trennung von den Männern üblich.

Unter ihren Schleiern tragen moderne afghanische Frauen allerdings oft westliche Kleidung. Am Zugang zum Lager fällt auf: Besonders die jungen Frauen, die im Camp arbeiten, kombinieren modische Jeans und hohe Schuhe zu einem lose um den Kopf geschlagenen Kopftuch. Andere hingegen hüllen sich in große, kunstvoll bestickte Tücher und weite Kleider. Gesicht und Hände sind ausgespart. Ebenso lässt das Kopftuch in der Regel den Blick auf die Haare der Frauen frei.

Ähnlich wie am Flughafen werden die Frauen abgetastet.

Ähnlich wie am Flughafen werden die Frauen abgetastet.

Foto: © Bundeswehr / Tom Twardy

Nur die „Search-Girls“ dürfen die Frauen kontrollieren

Die gesellschaftliche Konvention verbietet dennoch, dass fremde Männer einen Blick auf die Körperkonturen der Frau werfen können.
Getrennt von den männlichen Ortskräften, betreten die afghanischen Frauen einzeln den winzigen Verschlag, in dem die beiden Soldatinnen bereits auf sie warten. Oberfeldwebel Freund* und Stabsunteroffizier Engels* begrüßen die erste Frau freundlich. Leise quietschend schließt sich die Gittertür. Mit einem Ruck rastet der Metallriegel ein.

Über der Tür steht ein Hinweis: „Only Search Girls“. Hier kommt jetzt außer den beiden Soldatinnen und der Afghanin niemand mehr rein. In dem nur zwei mal drei Meter großen Gitterkäfig steht ein Tisch, auf dem die Frau ihre Handtasche ablegen kann. Von der Decke hängt eine Lampe.

Der Raum ist durch Vorhänge abgedunkelt und geschützt vor den Blicken der Männer, die nur wenige Meter entfernt in offenen Kabinen überprüft werden. Auf dem Boden sind Kokosmatten ausgelegt, damit die Frauen beim Ausziehen ihrer Schuhe keine kalten oder nassen Füße bekommen.


Auch die persönlichen Gegenstände der Frauen werden durchsucht.

Auch die persönlichen Gegenstände der Frauen werden durchsucht.

Foto: © Bundeswehr / Tom Twardy

Handys, Speichermedien und Waffen sind verboten

„Die meisten Frauen sprechen gutes Englisch. Sie kennen den Ablauf bereits und arbeiten gut mit, weil sie mehrmals in der Woche hier im Feldlager zu tun haben“, erklärt Peggy Engels, die im normalen Tagesdienst das Sanitätsmaterial im Feldlazarett auffüllt und nachbestellt. Nur selten wird ein Sprachmittler benötigt. Während eine Soldatin die Situation absichert, tastet die zweite Oberkörper, Arme, Beine und Haare der Afghanin ab. „Außerdem müssen die Frauen Schuhe sowie Tücher und Jacken ablegen“, erläutert Freund, die an diesem Tag die Sicherung übernimmt. Anschließend wird auch die Handtasche durchsucht. Waffen sind im Camp selbstverständlich verboten, aber auch spitze Gegenstände, die als Waffe verwendet werden könnten: Messer, Scheren und größere Haarnadeln. Außerdem müssen Speichermedien und private Handys draußen bleiben.


Nach der Überprüfung darf die Afghanin an ihren Arbeitsplatz im Camp gehen.

Nach der Überprüfung darf die Afghanin an ihren Arbeitsplatz im Camp gehen.

Foto: © Bundeswehr / Tom Twardy

Nach der Kontrolle

Die Vorschrift soll verhindern, dass sicherheitsrelevante Informationen abfotografiert oder abgespeichert werden. Nach zwei Minuten ist das Procedere auch schon wieder vorbei. Die Afghaninnen arbeiten im Feldlager als Sprachmittler, Putzkraft oder in der Wäscherei. Darüber hinaus kommen Frauen ins Camp, deren Männer für die Bundeswehr gearbeitet haben und deren Familien deshalb bedroht werden. Sie wollen zu den Vertretern des Auswärtigen Amtes im Feldlager, bei denen sie Papiere für eine Ausreise nach Deutschland beantragt haben. Auch diese Frauen durchlaufen die Sicherheitsüberprüfung.

Um 11:45 Uhr ist Schichtwechsel bei den „Search Girls“. Für die beiden Sanitätssoldatinnen übernehmen nun die deutsche Frau Oberfeldwebel Yasmin Elster* und die schwedische Frau Oberstabsgefreiter Sofia Carlsson*.

Elster ist heute zum ersten Mal für die Personenüberprüfung verantwortlich und deshalb etwas aufgeregt. Doch sie freut sich auf die Arbeit – die 29-Jährige hat am Bundessprachenamt in Hürth die Landessprache der Afghanen gelernt. „Endlich kann ich meine Dari-Kenntnisse wieder verbessern.“

*Die Namen wurden von der Redaktion zum Schutz der Soldatinnen und Soldaten geändert.

Autor: Ulrike Jenssen / Magazin Y September 2015