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Eine Soldatin steht am Oberdeck einer Fregatte.
Eine Soldatin blickt mit einem Fernglas aufs Meer hinaus.

Maria beobachtet während ihrer Seewache den Seeverkehr in der Ägäis.

Foto: © Bundeswehr / Florian Westphal

Alles im Blick

Mein Name ist Maria, ich bin 19 Jahre alt und komme gebürtig aus Regensburg. Zurzeit bin ich auf der Fregatte „Brandenburg“ im Ägäischen Meer zwischen Griechenland und der Türkei eingesetzt. An Bord der Fregatte bin ich Decksdienstsoldatin (im maritimen Sprachgebrauch Decksdienstgast) und deshalb gehören etwa vier bis sechs Stunden Seewache und acht bis zehn Stunden Tagesdienst zu meinen Aufgaben.

Im Tagesdienst bin ich dafür mitverantwortlich, dass das Schiff nicht rostet, schließlich hat die Marine auch eine große repräsentative Aufgabe. Damit das deutsche Kriegsschiff im schönsten Grau erstrahlt, reinigen wir das Oberdeck mit einem Hochdruckreiniger fast täglich und streichen es regelmäßig. Außerdem polieren wir die Bullaugen und machen an Bord jeden Tag eine Stunde Reinschiff. Beim An- und Ablegen sind wir außerdem für das Festmachen der Leinen verantwortlich.

Auf Seewache stehe ich in den Nocken, das sind die „Balkone" auf beiden Seiten der Brücke. Von dort hat man den besten Überblick. Wir melden dem Wachoffizier alles, was wir sehen oder hören, vom Containerschiff über Luftfahrzeuge, das kleine Anglerboot bis hin zu Treibgut oder Meeressäugern. Über Delfine freuen sich hier alle! Als Rudergänger sitzen wir hinter dem „Steuerrad“ des Schiffes und halten den uns befohlenen Kurs. Das kann bei starkem Seegang eine ziemliche Mammutaufgabe sein.

Zwei Frauen trainieren auf dem Deck eines Schiffes, im Hintergrund das Meer.

Um den Dienst an Bord abwechslungsreich zu gestalten, werden diverse Sportkurse angeboten.

Foto: © Bundeswehr / Ralf Herrmann

Das Beste als Decksdienstgast ist, dass ich so viel von der Seefahrt mitbekomme. Wir sehen die Landschaft um uns herum, zum Beispiel die Straße von Gibraltar oder Schiffe anderer Länder. Wer zur See fahren und dabei viel sehen will, ist bei uns genau richtig.

In Zeiten von COVID-19 müssen natürlich auch wir Seefahrerinnen und Seefahrer Einschränkungen hinnehmen. Die Welt sehen, andere Kulturen und Menschen kennenlernen, Kontakte knüpfen: All das ist schwierig, wenn man an die strengen, aber notwendigen Regelungen gebunden ist. Dabei haben wir noch Glück, weil wir in unserem Hafen auf Kreta die Sportplätze nutzen dürfen – natürlich unter strengen Hygienevorschriften. Andere Soldatinnen und Soldaten, die gerade im Einsatz sind, dürfen gar nicht von Bord. Das ist psychisch schon eine große Belastung, egal, wie gut man sich mit den Leuten auf seinem Schiff versteht.

An Bord vermisse ich am meisten, dass ich meine Ausdauersportarten nicht ausgiebig betreiben kann. Ich kann zwar wie daheim auch laufen, Rad fahren oder Rudern, aber die Umgebung ist natürlich immer dieselbe. Deshalb freue ich mich darauf, mal wieder durch die Stadt, oder den Wald zu laufen, oder auf der Donau rudern zu gehen. Schweren Herzens verlasse ich das Schiff, das mir samt seiner Crew schon sehr ans Herz gewachsen ist. Aber mir stehen weitere wichtige Schritte im Leben bevor: Im vergangenen Sommer habe ich nämlich meine Eignungsfeststellung zum Offizier erfolgreich bestanden und werde deshalb demnächst in Flensburg an der Marineschule Mürwik meine Ausbildung zum Offizier beginnen.

Autor: Bundeswehr/MF