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Wachbataillon

Hauptmann Jens hält die Hand zum militärischen Gruß an die Schläfe.

Als Kompaniechef ist Jens für knapp 200 Soldatinnen und Soldaten verantwortlich, die ihm unterstellt sind.

Foto: © Bundeswehr / Wachbataillon BMVg

Streben nach Perfektion - Semper Talis!

„Achtung, präsentiert das – Gewehr!“ So hallt das Kommando, das der Kommandeur des Wachbataillons beim Bundesministerium der Verteidigung mit kräftiger Stimme der angetretenen Formation von über 150 Soldatinnen und Soldaten im Garten des Schloss Bellevue in Berlin entgegenwirft. Die Reaktion: eine fest eintrainierte Abfolge von verschiedenen Griffen mit dem Karabiner. Alles synchron!

 

 

„Ich bin Jens, zum damaligen Zeitpunkt Hauptmann und Kompaniechef im Wachbataillon. Als Kompaniechef bin ich für die knapp 200 mir unterstellten Soldatinnen und Soldaten verantwortlich. Gemeinsam mit meinen OffizierenLink öffnet sich in neuem Fenster und UnteroffizierenLink öffnet sich in neuem Fenster gestalte ich den Ablauf in meiner Kompanie. Vom Wecken, über das Stuben- und Revierreinigen, die tägliche Ausbildung, administrative Dinge, bis hin zu großen Übungen oder Einsätzen.  

Soldatinnen und Soldaten des Wachbataillon treten vor dem Reichstag in Berlin an.

Bei feierlichen Anlässen, wie hier der Feier zum Geburtstag der Bundeswehr, tritt das Wachbataillon beim Großen Zapfenstreich an.

Foto: © Bundeswehr Photothek / Gottschalk

Einsätze stehen im Wachbataillon primär für den sogenannten protokollarischen Ehrendienst. Wir repräsentieren die Bundesrepublik Deutschland und die Bundeswehr bei hochrangigen Staatsbesuchen und kommen unter anderem beim Großen Zapfenstreich, dem höchsten militärischen Zeremoniell, zum Einsatz, der auch regelmäßig im Fernsehen übertragen wird. Bei all unseren Aufträgen kommt es auf hohe Präzision an. Alle Bewegungen folgen einem exakt vorgegebenen Muster und müssen gleichzeitig passieren. Die weißen Handschuhe lassen Bewegungen besonders gut nachvollziehen und daher fällt jeder Fehler, jede Ungenauigkeit gleich ins Auge. Bis das sitzt, heißt es üben, üben, üben.

Soldatinnen und Soldaten des Wachbataillons stehen in einer Reihe, das Gewehr im Arm und schauen geradeaus.

Bei Staatsempfängen folgt alles einem festgelegten Protokoll - da kommt es auf ein gutes Zuammenspiel aller an.

Foto: © Bundeswehr / Jane Hannemann

Im Schloss Bellevue, dem Amtssitz des Bundes­präsidenten, haben wir gerade im großen Garten die General­probe durchgeführt. Wir nennen es auch ,Warmgreifen‘. Griffe sind die Abfolgen mit dem Karabiner. Beim ,Warmgreifen‘ erwärmen wir einerseits unsere Muskeln, andererseits stimmen wir uns vom Tempo aufeinander ab. Dies erfolgt immer unmittelbar vor dem scharfen Einsatz. Wenige Minuten später ist es dann soweit. Unter den Klängen des Stabsmusikkorps der Bundeswehr marschiert die gesamte Formation im Gleichschritt ein. Ich stehe mittendrin und führe an diesem Tag die Kameradinnen und Kameraden der Luftwaffenkompanie. Es geht bis an den roten Teppich direkt vor dem Eingang des Schlosses. Dort wird sich ausgerichtet, das heißt, wir alle positionieren unsere Zehenspitzen genau auf einer Linie und nehmen gleiche Abstände zu den Personen neben uns ein. Dann heißt es warten und im wahrsten Sinne des Wortes ,Stillstehen‘.

Der ehemalige deutsche Bundespräsident Joachim Gauck sowie der ehemalige US-Präsident Barack Obama schreiten die Front der Formation ab.

Der ehemalige deutsche Bundespräsident Joachim Gauck sowie der ehemalige US-Präsident Barack Obama schreiten die Front der Formation ab.

Foto: © Bundeswehr / Wachbataillon BMVg

Nach einigen Minuten schreitet der Bundespräsident durch die großen Türen des Schlosses und betritt den Innenhof. Neben ihm, der damalige Präsident der Vereinigten Staaten von Amerika, Barack Obama. Beide bewegen sich auf uns zu. Es folgen die Kommandos des Kommandeurs und wir spulen unsere eingeübten Abläufe ab. An diesem Tag sitzt alles. Haltung. Körperspannung. Grifffolgen. Trotz der großen Hitze und der hohen körperlichen Belastung schlagen sich meine Soldatinnen und Soldaten perfekt. Die Nationalhymnen erklingen und es nähert sich der Höhepunkt, das sogenannte Abschreiten der Front. Dabei gehen der Bundespräsident und sein Staatsgast die gesamte Formation ab. So nah kommt man diesen herausragenden Persönlichkeiten des politischen Lebens sonst nie. Ein tolles Gefühl mittendrin dabei zu sein.

Im Anschluss geht alles meist sehr schnell. Nachdem der Staatsgast den Innenhof verlassen und wieder das Schloss betreten hat, marschieren wir unter den Klängen der Musik bis in den Aufstellungsraum, wo unsere Busse stehen. Ausrüstung verpacken, in die Kaserne fahren und erneut in Formation antreten. Auch hier die immer gleichen Abläufe. Es folgt die Abschlussbewertung und Benotung durch den Kommandeur. Eine glatte Eins. Alle haben perfekt funktioniert. Ich bin stolz auf meine Kompanie. Die Frauen und Männer haben die Ausbildung perfekt umgesetzt. Sie waren konzentriert, ausdauernd und haben ein klasse Bild für die Bundeswehr abgegeben. Das freut mich und mein Team. Eine Eins bedeutet nämlich frühzeitigen Dienstschluss für den Tag. Zuvor wird aber noch die Ausrüstung nachbereitet.

Ausschnitt zweier Soldaten, die jeweils ein Gewehr in der weiß behandschuhten Hand tragen.

Das Weißkoppel wird nur von Soldatinnen und Soldaten im protokollarischen Ehrendienst getragen.

Foto: © Bundeswehr / Sebastian Wilke

Die Stiefel poliert, die weißen Handschuhe und das Weißkoppel gereinigt und verstaut, die Uniform ausgebürstet, gebügelt und nach dem Lüften sauber in den Spind gehängt. Alles muss für den nächsten Einsatz vorbereitet sein, bei dem es wieder heißt: Semper talis – stets gleich!


Autor: Bundeswehr/JL