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Mehrere Frauen und Männer stehen vor einem Kampfflugzeug vom Typ EUROFIGHTER.
Ein Mann sitzt vor mehreren Monitoren und trägt Kopfhörer.

Thomas überwacht das Geschehen während des Testflugs um Daten für die Auswertung zu sammeln.

Foto: © Bundeswehr / Birthe Brechters

Thomas ist 36 Jahre alt und als Testflugingenieur an der Wehrtechnischen Dienststelle 61 in Manching bei Ingolstadt tätig. Er erprobt neue Technik rund um den Eurofighter und sorgt so für die Sicherheit der Flugzeugcrews. Als aktiver Soldat hat er an der Universität der Bundeswehr in München Luft- und Raumfahrttechnik studiert und wechselte nach seiner Zeit als Soldat in den höheren technischen Verwaltungsdienst der Bundeswehr.

Im Interview stellt sich Thomas unseren Fragen.

Was genau machst du als Testflugingenieur?
Als Testflugingenieur für Kampfflugzeuge bin ich für die Planung, Durchführung und Auswertung von Testflügen und Flugversuchen am Waffensystem EUROFIGHTER zuständig. Mein Team und ich erproben neue Technik, bevor sie in allen Systemen eingesetzt werden kann.

Vor einem Testflug liegt es an mir, den Planungsablauf zu kontrollieren, um einen reibungslosen Flug zu gewährleisten. Während des Tests überwache ich die Messwerte und kann so schnell erkennen, ob alles funktioniert wie gewünscht. Nach dem Testflug trage ich dann alle Daten zur Auswertung zusammen und erstelle einen Bericht anhand der vorher festgelegten Ziele.

Zwei Männer stehen vor einem Flugzeug und reichen sich die Hände.

Während seiner Ausbildung in den USA konnte Thomas nicht nur mitfliegen, sondern auch selbst unter Anleitung fliegen.

Foto: © Bundeswehr / Birthe Brechters

Wie läuft die Ausbildung zum Testflugingenieur ab?
Im Sommer 2018 zog ich mit meiner Familie nach Kalifornien. Dort habe ich eine einjährige Ausbildung zum Testflugingenieur an der National Test Pilot School gemacht. Während meiner Ausbildung lernte ich, wie man Flugversuche plant, durchführt, Ergebnisse auswertet und abschließend darüber berichtet. Die Ausbildung beinhaltete theoretische Unterrichte sowie eine umfangreiche Einweisung in das Testen von Flugzeugsystemen wie RADAR, Nachtsichtgeräte, Navigation, Kommunikation und vielen mehr. Zu diesen theoretischen Anteilen kamen viele praktische Unterrichtseinheiten, bei welchen man Flugversuche im Team plant, durchführt und die Ergebnisse auswertet, um abschließend darüber zu berichten. Mein Highlight der Ausbildung war, dass ich als Ingenieur auch eine Einweisung in die Technik bekam und unter Anleitung eines Piloten diverse Flugmanöver selber fliegen durfte.

Ein Mann steht vor einem Kampfflugzeug vom Typ EUROFIGHTER.

Thomas Job als Testflugingenieur verbindet Theorie und Praxis im Arbeitsalltag.

Foto: © Bundeswehr / Birthe Brechters

Wie sieht dein Arbeitsalltag aus?
Einen Großteil meiner Arbeitszeit verbringe ich mit der Planung und Durchführung von Testflügen. Kurz vor und während der Erprobung von neuer Technik geht meine Arbeitslast immer steil nach oben. Dann ist voller Einsatz und Hingabe gefragt, um das lang geplante Vorhaben erfolgreich und vor allem sicher zum Abschluss zu bringen. Um dieser Aufgabe gerecht zu werden, zählt vor allem Teamfähigkeit und Kommunikation. Für den Erfolg des Projektes ist es wichtig, dass Menschen und Technik miteinander harmonieren. Neben der fachlichen Ausbildung sind Führungsstärke und Teamfähigkeit am wichtigsten für meine tägliche Arbeit als Testflugingenieur. All das bereitet mir immer wieder Freude.

Was gefällt dir an deinem Beruf besonders?
Für mich gibt es keinen besseren Ingenieurberuf, der näher am Geschehen rund ums Fliegen ist, als der einer Testflugingenieurin oder eines Testflugingenieurs. Durch die Ausbildung in Amerika habe ich den Pilotenberuf richtig verstanden und verstehe jetzt, warum gewisse charakterliche Eigenschaften bei der Auswahl der Pilotinnen und Piloten so wichtig sind. Theoretische Lösungen vom Schreibtisch und praktische Umsetzung klaffen oft auseinander. Ich sehe es als meine Aufgabe an, hier als Bindeglied zwischen den Menschen im Cockpit und den Ingenieurinnen und Ingenieuren zu wirken und zu „übersetzen“, was die Pilotinnen und Piloten meinen bzw. benötigen. Außerdem gefällt mir besonders, dass jeder Test neue, noch nie da gewesene Herausforderungen mit sich bringt. Das sorgt dafür, dass mein Job nie langweilig wird.

Für die Zukunft freue ich mich auf viele weitere spannende Projekte wie die anstehende Integration eines Datenrekorders zur Datenaufzeichnung während eines Fluges. Mein nächstes Highlight wird eine Zusammenarbeit mit der Luftwaffe, bei der im Sommer 2022 in Schweden Waffensysteme getestet werden sollen.

Autor: Bundeswehr / TH