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Schwimmtaucher begutachtet die Schiffsschraube
Das Taucherschulboot "Baltrum" ankert je nach Bedarf für die Ausbildung auf den Tauchgründen in der Lübecker Bucht

Das Taucherschulboot "Baltrum" ankert je nach Bedarf für die Ausbildung auf den Tauchgründen in der Lübecker Bucht

Foto: © W. Henze

Spannende Schwimmtaucherausbildung auf dem Taucherschulboot "Baltrum"

Es ist lausig kalt. Dabei weht noch nicht einmal ein scharfer Wind über die graue See der Lübecker Bucht. Feucht ist es, immer wieder fällt Regen aus den tiefhängenden Wolken.
Nur eine gute Seemeile, also knapp zwei Kilometer östlich des kleinen Badeortes Scharbeutz hat das Taucherschulboot „Baltrum“ in der Neustädter Bucht Anker geworfen. 



Seit zwei Tagen bereits liegt das graue Schiff an der gleichen Stelle; gut zehn Meter ist das Wasser tief, einigermaßen klar ist es auch, ein guter Ort also, um angehenden Schwimmtauchern der Marine das Einmaleins der Unterwasserarbeiten zu vermitteln.
Beheimatet ist die „Baltrum“ im Hafen des Einsatzausbildungszentrums Schadensabwehr (EAZS) der Deutschen Marine in Neustadt/Holstein. Eine lange Reise war es nicht bis zum Ankerort, eine gute Stunde etwa, ein paar Meilen nur, wenn man die Molenköpfe des Stützpunkts hinter sich gelassen hat.


An zwei Tauchstationen gleichzeitig kann auf der "Baltrum" getaucht werden

An zwei Tauchstationen gleichzeitig kann auf der "Baltrum" getaucht werden

Foto: © W. Henze

Rund um die Neustädter Bucht kennt jedermann die „Baltrum“, denn eigentlich liegt sie die überwiegende Zeit des Jahres dort vor Anker, hat meist Code Alfa im Mast gesetzt, die Flaggen also, die signalisieren, dass Taucher im Wasser sind. Das ist nämlich der Auftrag der „Baltrum“, als Mutterschiff für die Ausbildung der Schwimm- und Schiffstaucher der Marine zu dienen.
Auf dem Hauptdeck der „Baltrum“ haben sich trotz der Kühle ein gutes Dutzend Männer zusammengefunden. Taucheranzüge werden dort klargelegt, Pressluftflaschen überprüft, Signal- und Sicherheitsleinen sorgfältig aufgeschossen, Atemmasken gesäubert und zwei große Taucherleitern zu Wasser gelassen.



Taucher beim Arbeiten Unterwasser mit einer Kettensäge

Taucher beim Arbeiten Unterwasser mit einer Kettensäge

Foto: © Thomas Freudenberg

Rund 125 Lehrgangsteilnehmer, überwiegend männliche Marinesoldaten –allerdings gibt es auch bereits ein paar weibliche Schwimmtaucher – werden in Neustadt in einem Sechs-Wochenlehrgang für die Arbeit unter Wasser ausgebildet. Jede schwimmende Einheit, egal ob ein Boot (z. B. Minenjagdboot) oder Schiff (z. B. Fregatte), soll über eine einsatzfähige Schwimmtauchergruppe verfügen. Denn es gibt immer mal etwas unter Wasser zu tun und sei es auch nur die Reste eines Fischernetzes aus dem Propeller zu schneiden.Es geht dabei aber eben nicht nur ums Tauchen, sondern vor allem auch um das Erlernen von Unterwasserarbeiten. Dazu gehört der Umgang mit einer Säge, mit Hammer und Meißel oder anderen Handwerkzeugen genauso wie das Erlernen von verschiedenen Such- und Bergeverfahren. 

Die Ausbilder weisen die Lehrgangsteilnehmer genau in jede kÜbung ein

Die Ausbilder weisen die Lehrgangsteilnehmer genau in jede kÜbung ein

Foto: © W. Henze


Bevor es an Bord der „Baltrum“ zum Tauchen geht, haben dieLehrgangsteilnehmer bereits eine Land- und Hallenphase von drei Wochen hinter sich gebracht. Etliches an Theorie gilt es zu lernen und ganze Tage werden dabei in der Schwimmhalle verbracht. Geräteübungen, Flossenschwimmen, Sicherheits- und Rettungsübungen, aber auch die klassische Rettungsschwimmerausbildung gehört dazu handelt sich um eine Zusatz-Qualifikation, die nicht nur gesondert honoriert wird, sondern die Möglichkeit bietet, dass Soldaten aus jedem Verwendungsbereich Schwimmtaucher werden können. Es kann sich also im Grunde jeder melden, der Spaß daran hat und die unverzichtbaren physischen Voraussetzungen mitbringt.


Ärztliche Betreuung in der Druckkammer

Ärztliche Betreuung in der Druckkammer

Foto: © Björn Wilke

Sicherheit wird ohnedies im Marine-Taucherdienst ganz großgeschrieben. So steht an Bord der „Baltrum“ selbstverständlich auch eine Druckkammer zur Verfügung, die von einem Tauchereinsatzleiter und einem Taucherarzt betreut wird. „Wir machen hier eine sehr gute Ausbildung und die macht sich natürlich auch unter Sicherheitsbetrachtungen bezahlt“, ist Lehrgangs-Tauchereinsatzleiter Thomas Wendt (48) sicher. Aber sie verlangt den Lehrgangsteilnehmern auch einiges ab, so der Stabsbootsmann weiter. „Die Kälte an Deck ist dabei noch das kleinste Problem, denn die kann man mit warmen Klamotten und ordentlich Kaffee einigermaßen bekämpfen“, erklärt der Ausbildungschef.




Autor: Wolfgang Henze