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P-3C „Orion“ - Jäger mit echter Ausdauer

Nordlichter über einem Propellerflugzeug in Norwegen.
Vorbereitungen am Flugzeug vor dem Start am frühen Morgen.

Früh am Morgen beginnen die Vorbereitungen für den Flug.

Foto: © Bundeswehr / Inken Behne

P-3C „Orion“: Das größte Kampfflugzeug der Bundeswehr

Das Marinefliegergeschwader 3 „Graf Zeppelin“ fliegt das größte Kampfflugzeug der Bundeswehr – die P-3C „Orion“. Der Seefernaufklärer überwacht nicht nur weite Heeresgebiete, er übernimmt im Ernstfall auch die Boot-Jagd aus der Luft. Während die meisten Menschen noch schlafen und die Sonne langsam über dem Marinefliegerstützpunkt Nordholz an der Nordseeküste aufgeht, herrscht bereits reger Betrieb auf dem Flugplatz - eine P-3C „Orion“ soll starten. Techniker wuseln fleißig um das grau-glänzende viermotorige Flugzeug herum und treffen alle notwendigen Startvorbereitungen.


Die Bundeswehr verfügt über acht Flugzeuge des Typs P-3C „Orion“, die im Jahre 2006 von der Niederländischen Marine erworben wurden und beim Marinefliegergeschwader 3 „Graf Zeppelin“ stationiert sind. Die P-3C „Orion“ wird zu der Erfüllung der weiträumigen luftgestützten Überwachung und Aufklärung über und unter Wasser sowie über Land, zur Wirkung gegen Ziele unter Wasser, zur Führungsunterstützung, bei Hilfs- und Sonderaufgaben sowie bei Einsätzen „Search and Rescue“ (SAR) eingesetzt.

Die Crew des Flugzeugs hat den heutigen Flug ausführlich vorbereitet. Das Programm für heute ist anspruchsvoll: Einige Besatzungsmitglieder fliegen nach ihrer Ausbildung zum ersten Mal in der echten Maschine. In einer Übung wird ihr Know-how für die Uboot-Jagd getestet. Und nicht nur das: auch mit Notsituationen, wie z.B. Feuer an Bord, werden sie heute konfrontiert.

Nach dem Briefing über Auftrag, Flugroute und Wetter machen sich die Besatzungsmitglieder auf den Weg zur Maschine. Dort angekommen, laden sie ihre Ausrüstung und Proviant ein. „Ein Flug kann auch mal gut und gerne zwölf Stunden dauern. Darum packen wir immer genug ein, so dass alle bis zum Schluss versorgt sind“, erklärt einer der Marineflieger.

Der Kommandant überprüft sein Flugzeug vor dem Start.

Der Kommandant überprüft sein Flugzeug vor dem Start.

Foto: © Bundeswehr / Inken Behne


Flugsicherheit wird groß geschrieben

In der Regel sind elf Personen in der P-3C-Mannschaft: Das sind zu­nächst einmal Pilot und Copilot, ein Taktischer Offizier und ein Navi­gationsoffizier, der zeitgleich auch den Funkverkehr übernimmt. Ein Systemtechniker, ein Bordmechaniker, drei Überwasser- und zwei Unterwasseroperateure machen die Crew komplett.

Nachdem alles verstaut ist, überprüft der Pilot die Arbeit der Techniker aus dem sogenannten Vorflug, der Inspektion von außen vor jedem Take-off. „Als Kommandant trage ich die Verantwortung für das Luft­fahrzeug und die Besatzung und muss stets die bestmögliche Sicher­heit garantieren können“, betont er. „Der ‚Rundcheck‘ gehört dazu und ist ein weiterer Garant dafür, dass nichts übersehen wird.“ Ist er zufrieden, geht es im Flugzeug weiter.

Vor jedem Start schalten die Crewmitglieder an ihren unterschiedlichen Arbeitsplätzen die Konsolen an und bereiten sich auf die bevorstehenden Aufgaben vor. Im Cockpit gehen die beiden Piloten und der Bordmechaniker routiniert ihre Checkliste durch. In der hinteren Kabine geben die Operateure alle Missionsdaten ein. „Das System muss unter anderem das Einsatzgebiet, Warngebiete und die Flugroute kennen“, erklärt einer von ihnen.

Nachdem alle Vorbereitungen abgeschlossen sind, kann es losgehen. Gleich darauf rollt der Seefernaufklärer auf die Startbahn und hebt in Richtung Nord-Nordwest ab.


Ein Propellerflugzeug über dem Meer.

Ubootjagd über dem Skagerrak.

Foto: © Bundeswehr

Ein tödliches Katz-und-Maus-Spiel

Hoch über den Wolken macht sich das Flugzeug auf den Weg in das Skagerrak - hier beginnt die Uboot-Jagd. „Die Suche nach einem Uboot ist wie ein Katz-und-Maus-Spiel. Kaum im Einsatzgebiet einge­troffen, wird zunächst geschaut, wo sich welche Schiffe im Einsatz­gebiet befinden.“, erklärt der Kommandant, Kapitänleutnant Z. „Wir müssen ein Lagebild haben und wissen, wo sich unter anderem zivile Schiffe aufhalten, damit die uns nicht in die Quere kommen.“

Nach dem Transit ins Übungsgebiet beginnt nun das eigentliche Trai­ning: Da nicht jedes Mal ein Uboot zur Verfügung stehen kann, wird ein sogenannter „E-Matt“ abgeworfen. Das ist eine Drohne, die sich wie ein U-Boot verhält und nach einem vorprogrammierten Muster bestimm­te Manöver fährt und dabei Geräusche, ähnlich denen eines U-Bootes, von sich gibt. Aber auch mit dem Ersatz bleibt die Übung sehr anspruchs­voll und gleicht ein wenig der Suche nach der Nadel im Heuhaufen.

Für die Jagd nach Ubooten setzt die „Orion“ verschiedene Bojen ein. „Sie sind quasi die Ohren unter Wasser“, sagt einer der Unterwasseroperateure. Zuerst wirft die Besatzung ein paar sogenannte „Bathies“ ins Wasser – Bojen, die Wassertemperatur, Salzgehalt und weitere Parameter ermitteln. Diese Daten sind für die Suche extrem wichtig, denn je nach Wasserbeschaffenheit ist die Schallausbreitung unter Wasser beeinträchtigt. Die Crew der „Orion“ stellt so sicher, dass ihre „Ohren“ auch wirklich etwas hören können.


Dein Techniker bereitet eine Solarboje vor.

Der In-Flight Technician Hauptbootsmann Björn K. bereitet die Solarboje vor.

Foto: © Bundeswehr / Inken Behne

Für jeden Zweck eine spezialisierte Boje

Mithilfe der „Bathies“ können die Unterwasseroperateure die Sonar­bojen passend programmieren. Zwei Arten von Sonarbojen gibt es: Passive Sonarbojen nehmen alle Geräusche auf, aktive senden selbst Sonarwellen aus, die eventuell auf ein Ziel stoßen. Beide Arten von Daten werden durch die Unterwasseroperateure ausgewertet.

In der Regel kommen mehrere Bojen zum Einsatz. Jede ist individuell programmiert, in welcher Tiefe sie suchen soll. Jede Boje bekommt ihren eigenen Sendekanal, so dass der Operateur sie später gezielt einzeln ansteuern und auswerten kann. Jetzt ist es die Aufgabe der Unterwasseroperateure, das U-Boot zu orten und zu bekämpfen. Hierfür setzt der Seefernaufklärer alle Sen­sorgen ein: In genau geplanten Abständen werden die Bojen abgeworfen.

Der Taktische Offizier, der „Tactical Coordinator”, kurz TACCO, hat jetzt das Sagen. Er gibt vor, in welcher Höhe die „Orion“ fliegt und welche Sensoren wann genau zum Einsatz kommen. Als „Chefkoordinator“ hält er ständig Verbindung zu den Crewmitgliedern. In enger Abstimmung mit dem Solarmeister schränkt er das Suchgebiet, in dem sich das U-Boot befinden muss, immer weiter ein, bis es schließlich lokalisiert wird. „Sobald das Uboot geortet ist, bekämpfen entweder wir es mit unseren Torpedos, oder eine Fregatte vor Ort“, erläutert der TACCO.


Der Pilot und Kommandant sitzt an seinem Arbeitsplatz.

Der Pilot und Kommandant der P-3C für diese Übung, Kapitänleutnant Z.

Foto: © Bundeswehr / Inken Behne

Langweilige Langstreckenflüge gibt es nicht

Stunden später ist es geschafft, aber das Training ist noch nicht zu Ende. Auf dem Rückflug in Richtung Nordholz bietet sich für die „Orion“-Besatzung die Gelegenheit eine Notsituation einzuspielen - diesmal: Feuer an Bord! Die Crew hat den simulierten Brand in kürzester Zeit unter Kontrolle, Test bestanden. Auf jeder längeren Flug­strecke übt die Besatzung solche und andere Notsituationen.

Am Ende des knapp siebenstündigen Übungsfluges kehrt die Besatzung der „Orion“ erschöpft, aber zufrieden nach Nordholz zurück. Der Flug hat alle Crewmitglieder gefordert. Sie haben ihr Können unter Beweis gestellt und sind somit für alle Eventualitäten gerüstet. Auch die Jüngsten von ihnen werden bald vollwertige Mitglieder einer einsatzbereiten P-3C-Besatzung sein.


Technische Daten der P-3C

  • Besatzung: bis zu 10
  • Länge: 35,61 m
  • Spannweite: 30,37 m
  • Höhe: 10,27 m
  • Flügelfläche: 120,77 m²
  • Leergewicht: 27.892 kg
  • max. Startgewicht: 61.200 kg
  • Tankkapazität: 34.800 Liter
  • Antrieb: vier Rolls-Royce-Allison Propellerturbinen T56-A-14 mit je 4.910 PS und HS.54H60-77-Propeller mit je 411 cm Durchmesser
  • Höchstgeschwindigkeit: 761 km/h auf 4575 m
  • Marschgeschwindigkeit: 639 km/h auf 7620 m
  • Steiggeschwindigkeit: 10 m/s
  • Dienstgipfelhöhe: 8625 m
  • Einsatzreichweite: 2.494 km mit dreistündigem Patrouillenflug
  • Überführungsreichweite: 7728 km
  • Waffenzuladung: 9072 kg Waffen (intern 3290 kg plus extern an zehn Aufhängestationen 5782 kg)

Autor: Inken Behne