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Meine ersten drei Monate bei der Bundeswehr

Marc ist Freiwilligen Wehrdienst Leistender in Köln. Hier wird er in den kommenden Monaten das Team "Bundeswehrkarriere" unterstützen. Natürlich musste auch er zuvor die Grundausbildung absolvieren. Dies sind seine Erfahrungen.

Der Freiwilligen Wehrdienst Leistende Marc steht in Uniform vor dem Eingang der Konrad Adenauer Kaserne in Köln.

In Köln leistet Marc seinen Freiwilligen Wehrdienst beim Bundesamt für das Personalmanagement der Bundeswehr.

Foto: © Bundeswehr / Marc Eichler

„Wir kämpfen auch dafür, dass du gegen uns sein kannst. Mach was wirklich zählt. Zwei der Slogans der Bundeswehr, die mir immer wieder über den Weg gelaufen sind. Aber kannst du in sieben Monaten was fürs ganze Leben lernen? Wer so selbstbewusst wirbt, der muss doch was draufhaben, oder? Aber gleich für zwölf Jahre verpflichten? Das war mir dann doch irgendwie zu viel. Für den Anfang wollte ich die Bundeswehr ja erstmal kennenlernen. Dann wurde ich auf die Möglichkeit des Freiwilligen Wehrdienstes aufmerksam. Von sieben bin hin zu 23 Monaten kann ich mich hier verpflichten und Einblicke in die verschiedenen Facetten der Bundeswehr gewinnen. Das kam für mich gerade richtig. Schließlich hatte ich im Sommer die Schule beendet und stand vor der Frage: ,Wie soll es weitergehen?' Für mich stand fest: Ich will jetzt mal was Anderes sehen und etwas Praktisches machen. Zwölf Jahre Theorie in der Schule haben mir vorerst gereicht.


Auswahlverfahren in Düsseldorf

Also bewarb ich mich als frischer Abiturient für den Freiwilligen Wehrdienst und wurde zum Einstellungstest nach Düsseldorf eingeladen. Dort erwarteten mich viele neue Gesichter. Die Atmosphäre war gleich ausgesprochen gut und ich fühlte mich nicht nur gut betreut, sondern auch unter den anderen Bewerberinnen und Bewerbern wohl. Wir aßen zusammen in der Kantine, teilten uns die Stuben und wurden morgens einheitlich um fünf Uhr geweckt. Wir tauschten uns aus: ,Was habt ihr vorher gemacht? Was sind eure Hobbys? Warum seid ihr hier?' Nur einige der zahllosen Fragen, die wir aneinander hatten. In diesen zwei Tagen absolvierten wir einen Computertest, der unter anderem unsere Deutsch- und Mathekenntnisse prüfte, wir wurden ärztlich untersucht und wir wurden zum psychologischen Gespräch eingeladen. Nach knapp 48 Stunden zusammen in Düsseldorf verabschiedeten wir uns voneinander. Selbst in der kurzen Zeit wuchsen wir ein bisschen enger zusammen – und immerhin verfolgten wir alle das gleiche Ziel: Deutschland zu dienen.

Ich verließ Düsseldorf mit dem Wissen, ab dem 1. Oktober 2019 ebendies tun zu dürfen. Ich hatte bestanden! 

 

Junge Rekrutinnen und Rekruten Patrouillieren gemeinsam durch den Wald.

Gemeinsam mit seiner Gruppe lernt Marc, wie er sich in unterschiedlichem Gelände verhalten muss.

Foto: © Bundeswehr / Mario Bähr

Grundausbildung im Luftwaffenausbildungsbataillon Roth

Grundausbildung im bayrischen Roth. Das hieß für mich sonntagmittags sechs Stunden Zugfahrt hin und das Gleiche nochmal, wenn ich nach Hause wollte. Ich war skeptisch, ob es das wirklich wert ist, aber ich war noch viel gespannter auf das, was mich erwartete. Ich hatte mich in Sachen Sport auf die Grundausbildung vorbereitet, war wieder regelmäßig joggen und hab mich an der Klimmzugstange probiert.

Dann war es soweit, mit gepackter Tasche stand ich in Bonn am Hauptbahnhof und wartete auf den Zug, der mich in meine neue Heimat für die nächsten drei Monate bringen sollte. Es waren viele junge Frauen und Männer ähnlich bepackt wie ich unterwegs und wir musterten uns gegenseitig. Wo mag ihre oder seine Reise wohl hingehen? Ob sie auch bei der Luftwaffe sein würden? Oder doch beim Heer oder bei der Marine? Marine konnte ich ausschließen, immerhin fuhren wir Richtung Süden. 

In Roth angekommen, wehte sofort ein anderer Wind - nicht nur meteorologisch gesehen. Und es ging dann direkt los, wie man es sich vorstellt: Auf den Böden waren Linien aufgemalt und wehe die Schuhspitzen waren nicht auf gleicher Höhe. Wir alle hatten das Gefühl, von allen Ausbilderinnen und Ausbildern beobachtet zu werden. Was natürlich auch der Fall war. Lebenslauf schreiben hieß es dann als Erstes. Erste Zweifel stiegen in mir hoch. Hatte mein Großvater doch Recht, als er sagte, die Zeit beim Bund wird unglaublich hart und die Hälfte der Rekruten würde eh nicht durchhalten? Die nächsten Wochen sollten mir jedoch das Gegenteil beweisen...

Nachdem wir eingekleidet waren und voller Stolz zum ersten Mal unsere Uniform trugen, begann die tatsächliche Grundausbildung. Alle 50 Rekrutinnen und Rekruten, mit denen ich im gleichen Gebäude lebte, wurden in Gruppen à 10 Personen aufgeteilt. Jede Gruppe hatte eine eigene Gruppenführerin oder Gruppenführer, die bzw. der uns bei allen Fragen zur Seite stand. In den Gruppen trieben wir viel Sport und durchliefen gemeinsam die verschiedenen Ausbildungsabschnitte.

Wir wuchsen sehr schnell zu einer Gemeinschaft zusammen, die sich in jeder freien Minute auf einer Stube traf, die Zeit miteinander verbrachte, viel lachte und sich vertraute. Ich merkte, wie unwichtig plötzlich die Marke der Klamotten, der Schulabschluss oder die regionale Herkunft war – denn in Uniform sahen wir alle gleich aus, hatten den gleichen Dienstgrad und wurden eine feste Einheit, wie ich es bis dato noch nie erlebt hatte. 

Vor allem die Tage im Wald schweißten uns zusammen: Wir halfen uns beim Packen, beim Tragen und auch beim Orientieren mit Karte und Kompass verließen wir uns auf die Kameradinnen und Kameraden, die den jeweils nächsten Punkt anpeilten. Natürlich waren wir nie alleine im Wald, wir standen mit den restlichen Gruppen per Funk in Kontakt und so entstand ein kleiner Wettbewerb zwischen den Gruppen. Jede wollte die erste Gruppe sein, die beim Orientieren ans Ziel kam, die beste auf der Schießbahn und natürlich sollte auch unser Feuer am schnellsten brennen. Abgerundet wurde dieser intern geführte Wettbewerb am Ende der Grundausbildung bei der so genannten Rekrutenüberprüfung. Hier wurden die Fähigkeiten der Gruppen festgestellt und je nach Leistung bewertet. Die Disziplinen deckten nahezu alle Ausbildungsbereiche ab. So galt es, sich in Stationen wie ,Erste Hilfe' möglichst schnell an die einwöchige Ausbildung zu erinnern oder bei einer weiteren Station gemeinsam die Hindernisbahn in kürzester Zeit zu überqueren. Für den Sieg hat es bei meiner Gruppe trotz aller Bemühung nicht gereicht. Leider mussten wir uns mit dem zweiten Platz zufriedengeben. Aber nichtsdestotrotz waren der spürbar große Zusammenhalt und die Einheit, die wir bildeten, ein Gewinn für jeden von uns.

 

Zwei Soldaten halten als Zeichen der Kameradschaft die Fäuste gegeneinander.

In der Grundausbildung erfahren Marc und die anderen etwas Schönes und Neues: Die Kameradschaft.

Foto: © Bundeswehr / Martin Stollberg

War es so schlimm, wie prophezeit?

Auf die Frage: ,Un Jung, wie war et?' antwortete ich stets und völlig überzeugt mit einem kurzen ,Super!'. Denn, und das steht außer Frage, es war sicherlich nicht immer leicht und ich kam an meine Grenzen, aber ich habe viele Erfahrungen gesammelt. Das Gefühl, nach einem langen Marsch mit Gepäck zurück auf die Stube zu kommen, den Rucksack abzulegen und zu wissen: Ich habe es geschafft! Ich habe nicht aufgegeben, sondern für mich und den Rest der Gruppe durchgehalten! Oder das Wissen, dass ich andere mitgezogen und motiviert habe, damit auch sie es schaffen – das werde ich mein ganzes Leben nicht mehr vergessen! Die Frage ,Was habe ich davon, das zu tun?', stellt sich nicht mehr.                

Ich persönlich habe die Zeit in der Grundausbildung sehr genossen, meine Familie und Freunde sagen, ich bin reifer, fokussierter und rücksichtsvoller geworden. Das zeigt mir, ich habe das Richtige gemacht und es erfüllt mich mit Stolz. Die Zeit hat mir außerdem gezeigt, dass die Bundeswehr der richtige Arbeitgeber für mich ist und ich habe mich für die Offizierausbildung Link öffnet sich in neuem Fensterbeworben. Drückt mir die Daumen, dass es klappt!“

Wenn du auch erst einmal ganz unverbindlich einen Eindruck von der Ausbildung und Arbeit der Bundeswehr bekommen möchtest, kannst du ab dem 17. Lebensjahr mit dem Einverständnis der Erziehungsberechtigten den Freiwilligen Wehrdienst leisten. Der Zeitraum ist von mindestens sieben Monaten bis maximal bis zu 23 Monaten frei wählbar und wird ausschließlich in der Laufbahn der Mannschaften geleistet. Anschließend kannst du dich in Abhängigkeit von deinen Voraussetzungen für eine Laufbahn entscheiden. Der Freiwillige Wehrdienst ist in allen Teilstreitkräften und Organisationsbereichen möglich.

Autor: Bundeswehr/ME

Meine ersten drei Monate bei der Bundeswehr.