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Den Weg bereiten: Luftlandepionier bei der Bundeswehr

„Ein Knopfdruck und von dem Gebäude war nur noch Staub übrig! Die Sprengung des Mehrfamilienhauses war ein absolutes Highlight während meiner Dienstzeit. Es stand leer und sollte abgerissen werden – da wurde es uns zu Übungszwecken zur Verfügung gestellt. Mein Name ist Stephan und ich bin Luftlandepionier bei der Bundeswehr.“

Ein Soldat der Pioniertruppe gibt seinen Soldatinnen und Soldaten Anweisungen, um ein Gewässer zur überqueren.

Stephan hat sich nach einem Beratungsgespräch für eine Karriere als Luftlandepionier entschieden.

Foto: © Bundeswehr / Carl Schulze

Konstruieren, bauen, reparieren und demontieren. Die Pioniere der Bundeswehr sind überall zur Stelle, wo es darum geht, kurzfristig Infrastruktur aufzubauen oder zu entfernen.

Bundeswehrfahrzeuge überqueren ein Gewässer über eine mobile Brücke, die zuvor von den Pionieren aufgebaut wurde.

Pioniere bauen unter anderem Behelfsbrücken, um Gewässer überqueren zu können.

Foto: © Bundeswehr / Marc Tessensohn

Die Pioniere sind als Truppengattung im Heer Link öffnet sich in neuem Fensterund der Streitkräftebasis Link öffnet sich in neuem Fenstervertreten. Zu ihrem Auftrag gehört es, die Beweglichkeit der eigenen Truppe zu erhöhen und die des Gegners zu behindern. Damit unterstützen sie maßgeblich andere Truppengattungen, wie beispielsweise die Fallschirmjäger oder die Panzergrenadiere. Der Aufgabenbereich der Pioniere ist sehr umfangreich. Eine neue Brücke, eine neue Straße oder gar ein ganzes Feldlager - Pioniere können alles aufbauen, instand setzen und verstärken.

Eine Gruppe Soldaten montieren Holzbalken an einer Behelfsbrücke.

Eine handwerkliche Ausbildung, zum Beispiel als Tischler wie Stephan, ist eine gute Voraussetzung für eine Karriere als Pionier.

Foto: © Bundeswehr / Gerner

Dazu ist eine handwerkliche Ausbildung eine gute Voraussetzung. Manchmal ist es auch notwendig, Hindernisse aus dem Weg zu räumen. Deshalb gehört der richtige Umgang mit Sprengstoffen ebenfalls zur Ausbildung.

Die Luftlandepioniere sind besonders darauf spezialisiert, die luftbeweglichen Truppenteile der Bundeswehr wie beispielsweise die Fallschirmjäger zu unterstützen und gemeinsam mit den Kampftruppen per Fallschirm in ein Einsatzszenario zu gehen. Sämtliches Material der Luftlandepioniere ist luftverladbar, das heißt es kann direkt mit in den Einsatz genommen werden und muss nicht erst auf dem Landweg transportiert werden.

„Für mich war der Soldatenberuf schon immer etwas Besonderes und ich hatte das immer im Hinterkopf. Ich wollte aber erst einmal eine Ausbildung machen, weil mir gar nicht so bewusst war, dass ich das bei der Bundeswehr auch hätte tun können. Also bin ich nach meiner Ausbildung zum Tischler zu einem Karriereberater in meiner Nähe gegangen, der mir viele Wege und Möglichkeiten aufzeigte. Vor allem die vielen Weiterbildungsmöglichkeiten, die an meine zivile Berufsausbildung anschlossen, haben mir die Entscheidung, mich bei den Luftlandepionieren zu bewerben, leichtgemacht. Zunächst habe ich mich erst für vier Jahre als Unteroffizier verpflichtet. Später habe ich mich weiterverpflichtet, erst auf acht und dann auf zwölf Jahre in der Laufbahn der Feldwebel. Ich wurde dann auch Berufssoldat.

Ich habe auch die Ausbildung zum Kampfmittelaufklärer und Kampfmittelräumer gemacht. Kampfmittelaufklärer bedeutet, dass ich beispielsweise Sprengfallen oder alte Munition finde und bewerte. Als Kampfmittelräumer kümmere ich mich dann um deren Beseitigung.

Ein Hindernis wird gesprengt, damit die Fahrzeuge der eigenen Truppe weiterfahren können.

Damit die eigene Truppe vorankommen kann, müssen manchmal auch Hindernisse gesprengt werden.

Foto: © Bundeswehr / Michael Mandt

Das kann eine gezielte Sprengung, aber auch eine Demontage sein - je nachdem, wie sich die Lage darstellt. Es ist ein gutes Gefühl, dass ich mit dieser Fähigkeit meine Kameradinnen und Kameraden schützen kann.
Durch die Spezialisierung in der Luftlandetruppe bin ich zum Fallschirmspringer ausgebildet worden und kann mich auch aus einem Hubschrauber abseilen. Einige Luftlandepioniere sind darüber hinaus noch zusätzlich dazu ausgebildet, mit ,fliegenden Lasten' umzugehen. Das ist auch einer meiner Aufgabenbereiche. Das bedeutet, dass ich zuständig bin für das Verstauen von Material im Hubschrauber oder das Anbringen von Lasten an einem Seil unter diesem. Das ist besonders wichtig, da bei den hohen Geschwindigkeiten im Flug nichts verrutschen darf und das Gewicht gleichmäßig verteilt sein muss.

Ein Soldat faltet seinen Fallschirm zusammen, nachdem er auf einer Wiese gelandet ist.

Luftlandepioniere, hier ein amerikanischer Soldat, werden auch im Fallschirmspringen ausgebildet, um flexibel und schnell in unwegsamem Gelände zu agieren.

Foto: © Bundeswehr / Marco Dorow

Als Luftlandepionier gehöre ich nicht zur Fallschirmjägertruppe, sondern bin deren erste Unterstützung. Aufgrund meiner Aufgaben und meiner bisherigen Leistungen konnte ich die sogenannte Erweiterte Grundbefähigung erwerben. Das ist eine sehr anspruchsvolle und fordernde Ausbildung, die mehrere Monate dauert und unter anderem Nahkampf-, Sanitäts- und Überlebenslehrgänge beinhaltet. Ich muss außerdem jährlich nachweisen, dass ich für diese Tätigkeit körperlich geeignet bin.

Gerade im Einsatz Link öffnet sich in neuem Fensterin Afghanistan konnte ich meine Fähigkeiten mehrfach unter Beweis stellen. Tagelang patrouillierten wir zusammen mit den Fallschirmjägern durch Bergdörfer und bewerteten dabei unter anderem Straßen und Wege auf ihre Sicherheit. Das war körperlich anstrengend und auch die permanente, latent bedrohliche Lage hat sehr an meinen psychischen Kräften gezerrt.

Eine Gruppe Soldatinnen und Soldaten sitzt im Camp in Afghanistan um ein Feuer herum.

Im Auslandseinsatz erleben die Soldatinnen und Soldaten eine ganz besondere Kameradschaft, die sie noch stärker zusammenschweißt.

Foto: © Bundeswehr / Andrea Bienert

An einen ganz besonderen Moment erinnere ich mich besonders gern: Wir waren in einem Dorf im Hinterland von Feyzabad, im Nordosten von Afghanistan. Ich saß mit einer kleinen Gruppe an Kameradinnen und Kameraden abends zusammen. Die Nacht war kalt und wolkenlos. Wir blickten zusammen in den Himmel und dann fingen die Sterne an zu fallen. Ein Sternschnuppenschauer, so deutlich und klar, wie ich es noch nie erlebt habe.

Der Dienst ist nicht immer einfach. Dennoch stehe ich immer noch voll hinter meiner Entscheidung für die Bundeswehr und möchte keine der Erfahrung missen, die ich während meiner Dienstzeit gemacht habe. Ich habe sehr viel gelernt und erlebt, was ich als Zivilist vermutlich niemals hätte machen können.“

Autor: Bundeswehr/AK