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Geburtstag im Auslandseinsatz

Im Auslandseinsatz – Geburtstag mal anders

Auslandseinsätze gehören zu den besonderen Herausforderungen, denen sich Soldatinnen und Soldaten stellen. Weit weg von der Heimat, in einer fremden Kultur, unter ungewohnten und teils gefährlichen Umständen durchleben sie eine Zeit, die ihresgleichen sucht. Aber auch dort macht das normale Leben nicht Halt und Jubiläen, Feiertage oder auch Geburtstage finden statt. Heute berichtet dir Jochen von seinem Geburtstag damals im Einsatz in Afghanistan.

Ein Team aus Soldaten stemmt sich beim Tauziehen in den Boden, um das Spiel für sich zu entscheiden.

Kameradschaft zeigt sich insbesondere im Auslandseinsatz – oft werden aus Kameradinnen und Kameraden Freundinnen und Freunde fürs Leben.

Foto: © Bundeswehr / Christian Kaiser

„Als mein Team und ich den Checkpoint in Feyzabad, einem Ort im Norden Afghanistans, durchquerten, wurde mir bewusst, es geht wieder los: Raus aus dem sicheren Lager und auf ins unbekannte und gefährliche Terrain.“

Zuhause in Deutschland ist Jochen Spezialist für Kampfmittelabwehr. Gemeinsam mit seinen Kameradinnen und Kameraden nimmt er an Einsätzen zur Beseitigung und Vernichtung von Munitionsfunden, Munitionsbeständen oder explosiven Stoffen teil. Während seines EinsatzesLink öffnet sich in neuem Fenster in Afghanistan ging es unter anderem auch um Aufklärungsarbeit und Unterstützung der Einheimischen.

„Viele Erlebnisse beeinflussen die Zeit in Afghanistan. Manche ganz besonders, so wie der Tag, an dem ich zum ersten Mal an meinem Geburtstag nicht zuhause bei meiner Familie war. Mein Team im Einsatz, mit dem ich die Monate im Einsatz teils auf engstem Raum verbrachte, bestand aus mir und drei weiteren Kameraden. Wir haben all unsere Aufträge zusammen gemeistert und sind dadurch immer mehr zusammengewachsen. Es sind inzwischen nicht mehr nur Kameraden für mich, sondern richtig gute Freunde."

Geburtstag im Einsatz

Mit den Fallschirmjägern unterwegs

Ein Soldat sitzt neben einem der Dorfältesten und einem einheimischen Jugendlichen in Afghanistan.

Die Bundeswehr und ihre Bündnispartner unterstützen die Einheimischen in Afghanistan unter anderem dabei, Lösungen zur Entwicklung von Wirtschaft und Infrastruktur zu schaffen.

Foto: © Bundeswehr / Bernd Berns

"An diesem Tag waren wir mit der Fallschirmjägertruppe unterwegs und haben diese unterstützt. Zunächst erfolgte eine Einweisung ins Gelände, die Waffen wurden überprüft und fertig geladen. Wir hatten Proviant für zwei Wochen dabei. Ich bin immer etwas nervös, wenn ich das Lager verlasse, und so war es auch an diesem Tag. Wir wissen nie genau, was auf uns zukommt. Und dann war es ja auch noch mein Geburtstag. Ich hatte es zwar keinem erzählt, aber irgendwie war es doch ein komisches Gefühl. Kurz bevor es losging, kam mein Chef nochmal zu mir und gratulierte mir vor versammelter Mannschaft. Nun wussten es also doch alle.

Gemeinsam mit den Fallschirmjägern fuhren wir los. Bei 40 Grad im Schatten war das mit unseren Schutzwesten und Kampfjacken kein Vergnügen, aber für unsere eigene Sicherheit ist diese Ausrüstung natürlich notwendig. Unser Ziel war ein Dorf in der Nähe, in dem wir mit den Dorfältesten verabredet waren.

Es ging um Aufklärungsarbeit zur Trinkwasserversorgung, dem Mangel an Medikamenten oder auch um Sicherheit. All diese Themen belasten die Einheimischen und wir versuchten, gemeinsam mit ihnen Lösungen zu erarbeiten. Nach einigen Stunden und zahlreichen Gesprächen machen wir uns wieder auf den Weg. Gegen Abend erreichten wir die Ortschaft Shara Sawa, wo wir unser Nachtlager in einer alten Schule aufschlugen. Das einfache Lehmgebäude bestand aus ein paar kleinen Räumen und erinnerte mich eher an eine Abstellkammer als an einem Schulraum. Die Unterschiede zu Deutschland sind enorm und überhaupt nicht miteinander zu vergleichen.

Nachdem wir das Gebäude gesichert haben, stellten wir unsere Feldbetten auf und bereiteten das Abendessen vor. Und dann gab es doch noch eine kleine Geburtstagsüberraschung: Einer meiner Kameraden hat extra im Camp einen Kuchen für mich gebacken und mitgenommen, den wir uns natürlich kameradschaftlich geteilt haben. Dann haben alle ein Ständchen für mich gesungen. Das ist nicht der übliche Geburtstag, wie ich ihn von zuhause kenne, sondern irgendwie besonders. Trotzdem war es schön, denn ich war umgeben von Leuten, die mir sehr ans Herz gewachsen sind. Das machte die Trennung von meiner Familie ein Stück erträglicher.

In der Nacht hielten wir abwechselnd Wache, während die anderen schliefen. Kurz nach Mitternacht war ich mit der Wache dran. Ich sicherte das Gebäude und konnte für einen kurzen Augenblick den beeindruckenden Sternenhimmel über Afghanistan genießen. Der Himmel war sternenklar und die Nacht ruhig. Ich habe sogar eine Sternschnuppe gesehen und mir etwas gewünscht. Am nächsten Tag packten wir zusammen und die Aufklärungsgespräche im nächsten Dorf gingen weiter. Nach zwei Wochen kamen wir alle, trotz einiger kritischer Momente, gesund und unversehrt wieder im Camp an. Mein Wunsch ist also in Erfüllung gegangen.“

Autor: Bundeswehr/CB