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Eine Aufklärungsdrohne vom Typ Heron 1 steht auf der Startbahn.
Drei Soldaten und eine Soldaten posieren vor dem Schild "Home of Heron".

Die Freiwilligen Wehrdienst Leistende Angela hat einen spannenden Tag bei den Drohnenpiloten der Luftwaffe vor sich.

Foto: © Bundeswehr / Lena Pütz

Aufklärung aus der Luft – Die Drohne Heron 1 und ihre Crew

Hoch hinaus geht es für die Drohne Heron 1 normalerweise in Mali und Afghanistan. Aus der Luft begleitet sie dann die Truppen am Boden. Ein gutes Auge ist gefragt, denn jedes noch so kleine Detail zählt, um im Ernstfall Leben retten zu können. Und das muss geübt werden.

Hallo, mein Name ist Angela und ich absolviere gerade meinen Freiwilligen Wehrdienst bei der Bundeswehr. Schon als Kind war ich von ferngesteuerten Autos und der Technik dahinter begeistert. Jetzt bot sich mir die Gelegenheit, bei einer Dienstreise nach Jagel zu den Drohnenpiloten der Luftwaffe dabei zu sein, die ich natürlich nutzte. Die Drohne und das dazugehörige Team stelle ich dir heute vor.

Eine Aufklärungsdrohne vom Typ Heron 1 steht auf der Startbahn im afrikanischen Mali.

Die Aufklärungsdrohne Heron 1 wird in Auslandseinsätzen genutzt, um Informationen über unbekanntes Gelände zu sammeln.

Foto: © Bundeswehr / Daniel Richter

Drohnen sind so etwas wie fliegende Roboter. Die unbemannten Luftfahrzeuge fliegen auf vorher definierten Kursen oder werden ferngesteuert. Sie werden bei der Bundeswehr vorrangig dafür eingesetzt, die Umgebung in Einsatzländern genauestens zu erkunden. Die Heron 1 dient der Aufklärung aus der Luft, das heißt, sie erkennt mögliche Gefahren aus der Luft und warnt die Truppen am Boden frühzeitig, sodass die Soldatinnen und Soldaten darauf reagieren können. Die Drohne Heron 1 ist 8,5 m lang und hat eine Spannweite von 16,6 m. Ihre Flughöhe beträgt bis zu 10.000 m und sie kann mit einer maximalen Geschwindigkeit von 210 km/h bis zu 27 Stunden nonstop in der Luft bleiben.

Die Crew der Heron 1 besteht aus zwei Personen, einer Pilotin bzw. einem Piloten und dem bzw. der sogenannten Tactical Operator. Da Heron 1 eine unbemannte Drohne ist, befindet sich das Cockpit der beiden in einer Bodenkontrollstation, von der die Drohne mit Hilfe eines Computersystems gesteuert wird. Heute ist neben Pilot Marc und Tactical Operator Thomas auch Andre dabei. Andre hat schon über 500 Flugstunden gemeistert und ist somit berechtigt die Funktion des Instructors, also des Lehrers, einzunehmen. Marc und Thomas durchlaufen heute ein Übungsszenario, eine Art Simulation, welches von Andre gesteuert wird.

Instructor Andre sitzt vor mehreren Bildschirmen, anhand derer er die Trainingsmission überwachen kann.

Instructor Andre überwacht die Mission über Monitore und gibt dem Team Anweisungen.

Foto: © Bundeswehr / Lena Pütz

Dabei können verschiedene Situationen eingespielt werden, wie zum Beispiel schlechtes Wetter mit starkem Regen oder einem Schneesturm, auf die Marc und Thomas reagieren müssen. Unter diesen Bedingungen stellt Andre die Crew der Heron 1 dann vor wechselnde taktische Aufgaben, wie die Begleitung eines Konvois oder die Erkundung eines Gebietes.

Was sind nun die Aufgaben der Crew? Als Pilot kontrolliert und steuert Marc die Drohne. Dabei trifft er Entscheidungen zur sicheren und effektiven Durchführung der Flüge.

Am Anfang seiner Karriere absolvierte er wie jede Soldatin und jeder Soldat die GrundausbildungLink öffnet sich in neuem Fenster. Im Anschluss hat er den Offizierlehrgang der Luftwaffe und ein technisches Studium in München absolviert. Um eine Drohne steuern zu dürfen, erfolgt zunächst eine mehrjährige Ausbildung zur Pilotin bzw. zum Piloten für bemannte Flugzeuge im In- und Ausland. Die fliegerische Ausbildung der Drohnenpilotinnen und –piloten findet gemeinsam mit denen für Transportflugzeuge statt. 

„Die Drohne hat für uns eine wichtige Funktion und kann im Ernstfall Leben retten. Damit alles reibungslos läuft und ich meinen Auftrag erfüllen kann, ist Teamarbeit gefragt. Dafür brauche ich meinen Tactical Operator.“, erklärt Marc mit dem Blick zu Thomas.

Der Drohnenpilot und sein Tactical Operator an einer Computerstation, von der aus sie die Drohnenmission steuern.

Die Bodenkontrollstation ist sozusagen das Cockpit der Drohne.

Foto: © Bundeswehr / Lena Pütz

Der Tactical Operator bedient die bis zu 250 kg schweren Kameras und generiert so Aufklärungsergebnisse. Er ist sozusagen das „Auge“ der Drohne und sorgt dafür, dass die Bilder dahin kommen, wo sie gebraucht werden. Dazu kann er Film- und Fotoaufnahmen erstellen. Diese können dann direkt an die Soldatinnen und Soldaten am Boden via Datentransfer geschickt werden. Die Kommunikation erfolgt per Funk oder Chat.

„Das ist ein abwechslungsreicher und spannender Job. Kein Tag ist wie der andere“, berichtet Thomas. Er begann seine Karriere bei der Bundeswehr als Fluggerätmechaniker. Nach einigen Jahren wechselte er in die Laufbahn der Offiziere und bewarb sich intern auf die Stelle des Tactical Operators - mit Erfolg. Die Ausbildung dazu findet in Israel statt, wo die Heron 1 auch entwickelt und gebaut wurde. Zusammen mit den israelischen Soldatinnen und Soldaten hat Thomas dort die Trainingsakademie besucht und das nötige Know-how gelernt, um die Drohne bedienen zu können.

Marc und Thomas stellen sich den Tag über den zahlreichen Aufgaben, die Andre ihnen in der Simulation stellt. Sie absolvieren mehrere Starts und Landungen, arbeiten zahlreiche Aufträge ab, unterstützen die virtuellen Bodentruppen und erstellen Bild- und Videomaterial. Häufig muss es schnell gehen. Immer ist absolute Genauigkeit gefragt. Im Einsatz sind andere Kameradinnen und Kameraden von den Informationen abhängig, die die Heron 1 und ihre Crew beschaffen. Am Ende der Simulation werden die Ergebnisse besprochen und Andre zeigt sich zufrieden.

Für mich geht damit ein spannender Tag bei der Luftwaffe in Jagel zu Ende. Und wer weiß, vielleicht entscheide ich mich nach meinem Freiwilligen Wehrdienst doch noch für eine Karriere als Drohnenpilotin.

Autor: Bundeswehr/AF