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Feldjäger und Diensthundeführer

Der Hund liegt aufmerksam vor seinem Ausbilder.
Ein Diensthund der Rasse Deutscher Schäferhund schaut direkt in die Kamera.

Schäferhund Bojka und seine Artgenossen sind die am meisten vertretenen Hunderassen in der Bundeswehr.

Foto: © Bundeswehr / Dana Kazda

Ein Team auf sechs Beinen

Ein Hund hat eine rund vierzigmal bessere Nase als wir Menschen. Kein Wunder also, dass sie auch unsere Soldatinnen und Soldaten in der Bundeswehr auf unterschiedlichste Art beim Dienst unterstützen. Sie helfen beim Aufspüren von Drogen, Sprengstoffen und vermissten Personen sowie beim Schutz von Personen und Objekten.

Zu jedem Diensthund gehört eine Diensthundeführerin bzw. ein Diensthundeführer. Jochen, den wir beim Training mit seinem Hund Bojka getroffen haben, ist so einer: „Hallo, ich bin Jochen und gemeinsam mit Bojka diene ich in der Laufbahn der Feldwebel bei den Feldjägern. Ich bin seit 1999 bei der Bundeswehr und arbeite seit 2015 als Hundeführer.", stellt er sich vor.

Bojka ist ein deutscher Schäferhund und ebenso wie der belgische Schäferhund, der auch Malinois genannt wird, gehört er zu den am meisten vertretenen Hunderassen bei der Bundeswehr. Beide sind ausgesprochen wesensstark, binden sich gut an die Hundeführerin bzw. den Hundeführer und sind sehr belastbar. Nicht nur die Feldjäger haben Diensthunde, sondern auch das Kommando Spezialkräfte, die Fallschirmjäger, die Luftwaffen­sicherungstruppe sowie die Pioniere. Letztere setzen neben den Malinois auch Labrador Retriever ein, die sich durch ihren ausgeglichenen Charakter und die extra feine Spürnase besonders gut zum Aufspüren von Minen und anderen Explosions­stoffen eignen.

Sonja vom Social Media Team hat Jochen und Bojka beim Training getroffen

Diensthund Boika.MOV

Feldjäger-Diensthund Boika in action

Drei Welpen spielen an der Diensthundeschule der Bundeswehr im Garten.

Noch sind diese belgischen Schäferhundwelpen zu jung, um mit der Ausbildung zu beginnen.

Foto: © Bundeswehr / Tobias Koch

Alle Ausbildungen, die sich um das Thema „Hund" drehen, finden an der Diensthunde­schule der Bundeswehr in Ulmen statt. Dazu gehören beispielsweise die Qualifikation zur Übungsleiterin bzw. zum Übungsleiter, der Ausbilderin bzw. dem Ausbilder für Diensthunde oder auch ein spezieller Erste-Hilfe-Lehrgang für Hundeführerinnen und Hundeführer, der K9-Combat-First-Responder. Dort wurde auch eine bundeswehr­eigene Zucht ins Leben gerufen. Allerdings werden nicht alle Diensthunde dort geboren, denn die Bundeswehr hat einen großen Bedarf an Hunden und kauft deshalb zusätzlich geeignete Junghunde von zivilen Züchtern an.

Ausbildung

Die zweiteilige Ausbildung der Hunde sowie ihrer Hundeführerinnen und -führer dauert bei den Feldjägern etwa zehn Monate. Während das erfahrene Ausbildungs­personal die zukünftigen Diensthundeführerinnen und -führer im Umgang mit den neuen Weggefährten schult, bilden diese unter einem wachsamen Auge den eigenen Hund aus und wachsen mit ihm von Anfang an als Team zusammen.

Im ersten Teil erfolgt die Ausbildung zum Feldjäger­diensthund. Hier liegt der Schwerpunkt auf Gehorsam und dem Schutzdienst. Der Hund erlernt spielerisch im Rahmen der Unterordnung Kommandos zu befolgen. Darauf aufbauend wird der Schutzdienst ausgebildet. Dies beinhaltet unter anderem das Aufstöbern von versteckten Personen, die Abwehr von plötzlichen Angriffen und das Stellen von flüchtenden Tätern. Seinen Auftrag erfüllt der Hund zunächst mit Hilfe von aggressivem Bellen, notfalls aber auch mit seinem Gebiss: Und zwar dann, wenn der vermeintliche Täter den Hund angreift oder er zu flüchten versucht. Aber die vierbeinigen Helfer lernen auch einen oder mehrere potentielle Täter mit dem Beißkorb zu attackieren. Damit lassen sich schwere Biss­verletzungen vermeiden und dennoch Angriffe abwehren.

In einer Trainingssituation stellt ein Diensthund mit Maulkorb einen Täter in Schutzausrüstung und reißt ihn zu Boden.

Durch den Maulkorb werden schwere Bisswunden vermieden und trotzdem kann der „Täter" gestellt werden.

Foto: © Bundeswehr / Sandra Elbern

Nach erfolgreichem Bestehen darf das Team den zweiten Teil der Ausbildung antreten. Hier erlernt der Diensthund entweder, Sprengstoffe und Chemikalien oder Betäubungs­mittel zu erspüren.

Jochen liebt seinen Beruf und berichtet: „Diese vielseitige Ausbildung macht uns Hundeführer und zu einem einzigartigen und wertvollen Einsatzmittel. Ich kann mit Bojka meine Kameradinnen und Kameraden unterstützen, großen Veranstaltungen der Bundeswehr abzusichern und in Auslands­einsätzen der Bundeswehr in brenzligen Situationen beistehen oder auch an sicherheits­empfindlichen Orten Streife laufen. Der Diensthund ist für uns Menschen in vielen Momenten eine große Hilfe und Unterstützung. Bojkas Spezialisierung ist das Aufspüren von Drogen, was bedeutet, dass er fast alle Betäubungs­mittel ,erschnüffeln‘ kann. Damit unterstütze ich auch gelegentlich Einheitsführerinnen und Einheitsführer bei den Kontrollen ihrer Kompanie oder ich helfe bei Durchsuchungen, die von einem Truppendienst­gericht angeordnet wurden. Bojka ist es egal, ob er eine Unterkunft, Gepäckstücke oder Fahrzeuge durchsucht. Er hat gelernt, überall zu suchen und seine Motivation ist sein Spielzeug, was im Anschluss seine Belohnung für gute Arbeit ist. Um all diese Fähigkeiten ständig einsatzbereit zu halten, trainieren wir fast jeden Tag. Entweder wir verstecken Riechproben, mit denen wir das Erspüren von Stoffen trainieren oder wir arbeiten im Schutzdienst und fordern die Tiere, indem wir sie ständig mit neuen Situationen konfrontieren und sie immer wieder vor neue Herausforderungen stellen, damit sie uns im Einsatz nicht im Stich lassen. Langeweile kommt mit einem solchen Tier nie auf."

Ein Familienhund?

Bojka lebt bei Jochen und seiner Familie und nach dem Dienst fahren sie gemeinsam nach Hause. Er erzählt: „Bojka ist sehr gut in meine Familie integriert und kann zwischen arbeiten im Dienst und Privatleben super unterscheiden. Dennoch kann man ihn nicht mit einem reinen Familienhund vergleichen. Man muss immer im Hinterkopf haben, dass er ein ausgebildeter Schutzhund ist. Aufgrund seiner Ausbildung reagiert er auf bekannte wie unbekannte Situationen mit erlerntem Verhalten. Hunde lernen durch gespielte Situationen, die so oft wiederholt werden bis sie das gewünschte Verhalten zeigen und verstanden haben, wie sie reagieren sollen. Wenn auf einmal eine private Situation einer dienstlichen gleicht und Bojka denkt, dass er mich beschützen muss, kann es durchaus gefährlich werden. Daher ist es extrem wichtig, dass wir Hundeführer gut ausgebildet sind. Wir müssen unsere Hunde zu jeder Zeit ,lesen' können, um jede Situation zu kontrollieren. Bojka und ich arbeiten seit Januar 2015 zusammen. Wir sind ein eingespieltes Team und vertrauen uns gegenseitig. Gemeinsam können wir den fordernden Dienst als Feldjäger sehr gut meistern.“

Autor: Bundeswehr/JK

Diensthunde in der Bundeswehr haben vielfältige Aufgaben