• Suche

Entdecke die Bundeswehr.

Die 10 größten Piloten-Mythen.

Mythos 1: Perfekte Augen sind ein Muss!

Stimmt nicht! Liebe Brillenträger und -trägerinnen, ihr könnt aufatmen: Brillen sind im Cockpit erlaubt. Pilotinnen und Piloten der Bundeswehr werden dafür mit Fliegersonderbrillen ausgestattet. Allerdings gelten bei der Erstuntersuchung zur Wehrfliegerverwendungsfähigkeit bestimmte Grenzwerte: Kurzsichtigkeit – 3,00 dpt (Dioptrien) und - 1,50 dpt für Jet-Piloten, Weitsichtigkeit + 3,00 dpt und + 2,00 dpt für Jet-Piloten, Hornhautverkrümmung 2,00 dpt und 0,50 dpt für Jet-Piloten. Generell gilt: Jedes Auge muss 100 Prozent mit Brille sehen können. „Wer Pilot oder Pilotin werden möchte, sollte sich vor der Erstuntersuchung nicht lasern lassen“, empfiehlt Dr. Jörg Frischmuth, Oberstarzt und Leiter der Augenheilkunde im Zentrum für Luft- und Raumfahrtmedizin. Sollte dabei nämlich die falsche Methode angewandt werden und dies zu Beeinträchtigungen führen, wird die Tauglichkeit ebenfalls ausgeschlossen. Übrigens: Dass eine Farbschwäche ein K.o.-Kriterium ist, stimmt tatsächlich.

Mythos 2: Keine Füllungen in den Zähnen!

Stimmt nicht! Früher war dies tatsächlich ein Ausschlusskriterium für die Pilotenlaufbahn. Heute gilt dieses Verbot aufgrund von technischen Neuerungen und Kunststofffüllungen aber nicht mehr. „Bei der zahnärztlichen Untersuchung wird überprüft, ob die Füllungen dicht sind und ob der Bewerber oder die Bewerberin sich gut über das Mikrofon verständigen können“, verrät Markus Völkel, Zahnarzt im Zentrum für Luft- und Raumfahrtmedizin.

Mythos 3: Nur ohne Piercings und Tunnel!

Stimmt teilweise! Generell gilt bei der Bundeswehr der Paragraph 17.4 des Soldatengesetzes zur Gesunderhaltung. „Ein Piercing im Mundbereich ist also ein No-Go“, stellt Dr. Andreas Knöffler, Leiter des Fachbereichs HNO (Hals-Nasen-Ohren-Heilkunde) klar. „Tunnel dürfen maximal einen Durchmesser von 1,5 Zentimetern haben.“

Mythos 4: Keine Tattoos!

Stimmt teilweise! Tattoos sind nicht für körperliche Einschränkungen im Cockpit verantwortlich und generell daher auch kein Ausschlussgrund. Aber Achtung! Bei der medizinischen Untersuchung zur Piloten-Tauglichkeit gilt die allgemeine Regelung wie für alle Bundeswehr-Soldaten: Tattoos dürfen beim Tragen eines kurzärmligen Hemdes nicht zu sehen sein.

Mythos 5: Die Körpergrösse entscheidet!

Stimmt! Das Cockpit eines Jets ist klein und da muss der Pilot natürlich hineinpassen. „30 Prozent aller Bewerber sind zu groß“, bestätigt Dr. Torsten Pippig, Oberstarzt in der Orthopädie. Allerdings ist hier nicht die gesamte Körperlänge von Bedeutung, sondern es kommt auf bestimmte Teilkörpermaße an. Die drei wichtigsten: Oberschenkellänge nicht größer als 63 Zentimeter, Sitzhöhe nicht größer als ein Meter und Reichweite der Arme nicht kleiner als 76 Zentimeter. Wer für den Jet nicht die richtigen Maße hat, ist trotzdem nicht gleich untauglich, sondern kann stattdessen für einen anderen Flugzeugtyp geeignet sein.

Mythos 6: Das Körpergewicht ist wichtig!

Stimmt! Das Körpergewicht eines Jet-Piloten muss mindestens 70 Kilogramm und darf maximal 120 Kilogramm betragen. Der  (Body-Maß-Index) darf höchstens bei 27,5 liegen. Auch hier sind Sondergenehmigungen und Unterscheidungen für die verschiedenen Flugzeugtypen möglich. Aber: Wer einen  über 30 hat – und damit ein starkes Übergewicht – ist von vornherein raus.

Mythos 7: Nur ohne Allergien!

Stimmt teilweise! Beim medizinischen Check wird ein Allergietest durchgeführt. Stellt sich heraus, dass es eine Notwendigkeit zur Dauertherapie gibt (also eine Therapie, die länger als 30 Tage eine Behandlung mit einem Antiallergikum erfordert) oder durch die Allergie erhebliche Einschränkungen vorliegen, ist der Bewerber bzw. die Bewerberin untauglich. In allen anderen Fällen wird individuell entschieden. Eine Allergie muss daher nicht zwingend ein Ausschlusskriterium sein. Falls Du Dich gerade fragst, was unter „erheblichen Einschränkungen“ zu verstehen ist, HNO-Spezialist Dr. Andreas Knöffler hat es uns folgendermaßen erklärt: „Kann ein Hubschrauber-Pilot auf einer Wiese nicht mehr starten, weil er durch die Allergie schlecht sehen kann, ist das eine erhebliche Einschränkung.“

Mythos 8: Keine Migräne!

Stimmt! „Eine bestehende Migräne ist tatsächlich ein Ausschlussgrund“, bestätigt der Leiter der klinischen Flugmedizin Dr. Lothar Bressem. Wer darunter leidet, kann tatsächlich kein Pilot bzw. keine Pilotin werden.

Mythos 9: Nur Nichtraucher!

Stimmt nicht! „In meiner Abteilung wird niemand nach Hause geschickt, weil er raucht“, erzählt Neurologe Friedrich Lüling. „Aber die Bewerber sollten gesund leben und sich fit halten, sonst fällt das ohnehin bei den anderen Untersuchungen auf.“ 

Mythos 10: Alkohol ist tabu!

Stimmt teilweise! Im Dienst ist der Konsum von Alkohol  natürlich absolut tabu. Außerhalb der Dienstzeit findet Lüling: „Es kommt auf die Gewohnheiten an.“ Und wie sieht es mit illegalen Drogen aus? „Die sind jederzeit tabu! Es wird ein routinemäßiger Drogentest durchgeführt. Wem da was nachgewiesen werden kann, ist raus und wird kein Pilot!“

Piloten der Bundeswehr.

Alle Mythen aus der Welt geräumt? Dann kann's ja losgehen.

Foto: © Bundeswehr / Trotzki